Wo ist der „Flow“ hin?

Manchmal gibt es Zeiten, in denen es einfach nicht so gut läuft. Ich hatte so eine. Seit Dezember nur noch Stress auf der Arbeit, nach Weihnachten dann eine Grippe und keine Besserung in Sicht. Nicht einmal mein neues Fahrrad, eine bildhübsche, schwarz-goldene Schönheit, konnte mich aufheitern. Wie auch, ich hatte ja keine Zeit mit ihr nach draußen zu gehen. Seit Freitag aber, sieht meine Welt wieder besser aus, es gibt wieder einen Streifen Licht am Horizont. Obwohl ich schon wieder am Dahin-Kränkeln bin, habe ich mich von den vereinzelten Sonnenstrahlen nach draußen locken lassen. Schon nach den ersten paar Kurbelumdrehungen spüre ich wie sich in mir etwas löst. Eine Anspannung, die ich bis zu dem Moment gar nicht mehr wahrgenommen hatte, löst sich ganz langsam auf. Meine Gedanken fangen an zu schweifen. Am Vormittag war ich noch mit allen meinen Teamkolleginnen in Nürnberg bei unserem Klausurtreffen, wo wir die Weichen für 2018 gestellt haben. Es war toll alle mal auf einem Haufen gesehen zu haben. Aber es war auch sehr anstrengend, und ich habe selten soviel geredet und diskutiert wie in den vergangenen zwei Tagen. Ich glaube allerdings, dass wir jetzt auf einem guten Weg sind.

Ich erreiche den „Gipfel“ des Müllberges neben der Allianz-Arena. Der Himmel über München ist grau, aber über den Alpen leuchtet ein hellgelber Streifen in der Wolkendecke und verbreitet Zuversicht. Ich stelle den Hebel an meinem Dämpfer auf „Abfahrt“, schalte ein paar Gänge runter und mache mich an den Downhill. Aber so richtig will es nicht laufen. Komplett unsicher rutsche ich in die schlammige erste Kurve und ärgere mich über mich selbst. So schlecht fahre ich doch sonst nicht! Auch im weiteren Verlauf wird es nicht besser. Aber ich bin froh draußen zu sein und habe gute Musik auf den Ohren (Meatloaf – Alive). Also pedaliere ich weiter…und stelle ein paar hundert Meter weiter fest, dass die Autobahn-Baustelle des Kreuz München-Nord meinen Trail gefressen hat. Ein einziges riesiges Schlammloch, das sich bis zum Isarradweg zieht muss ich durchqueren.

Aber ich gebe immer noch nicht auf. Jede Kurbeldrehung bringt positive Energie, die gegen meinen Frust ankämpft und mich weiterfahren lässt. Ich erreiche den ersten der beiden kleinen Schutthügel am Poschinger Weiher. Die Aussicht auf die Alpen ist hier fast genauso fantastisch wie auf dem etwas höher gelegenen Müllberg. Die Trails hier sind extrem steil und teils sehr technisch. In der ersten Abfahrt läuft es wieder nicht. Wo ist der Flow hin? Wo mein Gefühl für das Rad? Wieder trete ich nach oben. Diesmal wähle ich eine andere Abfahrt; deutlich steiler als die erste. Im Auslauf sind tiefe Bremsrinnen im Boden. Elegant (zumindest fühlt es sich so an) schaffe ich es mit der Hälfte des Bremswegs meiner Vorgänger stehen zu bleiben und juble innerlich. Es ist doch noch nicht alles verschwunden. Beherzt trete ich in die Pedale und jage den Trail weiter. Eine rechts-links Kurvenkombination nehme ich mit Highspeed; dann die enge Spitzkehre. Meine Gedanken sind verflogen, es gibt nur noch mich und mein Rad. Noch eine weite Kurve, eine kurze Highspeed-Passage und ich fliege durch das letzte Steilstück. Unten angekommen habe ich ein fettes Grinsen im Gesicht. Da ist er wieder, der Flow!

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