Hometrails — wer hat sie nicht? Die Trails, die man schon hundert Mal gefahren ist, wo man jeden Stein und jede Wurzel kennt. Und wo man auf die verschiedensten Menschen trifft. Manchmal sind es andere Biker, manchmal griesgrämige Wanderer oder Spaziergänger, meistens sind es ganz normale, nette Menschen. Manchmal bleiben einem solche Begegnungen besonders im Gedächtnis.

Szene 1

(Ein verregneter Herbsttag, nasse Wurzeln und Laub. Zwei Spaziergänger, vermutlich Mitte vierzig, kommen den gleich zu befahrenden Trail hoch. Eine Freundin und ich wollen kurz oben ausharren, bis das Ehepaar weg ist)

Ich: Hallo!

Mann: Hallo. Es ist fei schon ganz schön rutschig auf den Wurzeln. Da müsst ihr aufpassen!

Ich: Hm, ja stimmt, die Wurzeln sind rutschig, aber das stört uns nicht wirklich. Wir sind hier sehr oft.

Mann: ..da müsst ihr wirklich aufpassen. Naja, aber wenn der Druck in den Reifen passt, dann wird es wohl gehen. (Er geht auf mich zu und greift an meinen Reifen) VIEL zu viel Druck! VIEL zu viel Druck!

Ich: Ähhm, ich komme gut zurecht.

Mann: Also so kann man auf den nassen Wurzeln gar nicht richtig fahren!

Ich (genervt): Das sehen Sie ja gleich. (Ich fahre los)

Diese Episode hat mir lange zu grübeln gegeben. Hat der Mann (unterbewusst) gedacht, dass wir nichts drauf haben, weil wir Frauen sind? Wollte er einfach nur nett sein? Wollte er eins auf superschlau machen, um uns zu beeindrucken? Habe ich überreagiert? Ich werde es wohl nie erfahren.

Szene 2

(Ein schöner Sommertag. Es ist Wochenende, daher sind relativ viele Menschen unterwegs. Kurz vor meinem Lieblingsabschnitt sehe ich vor mir zwei E-Biker, einen Mann und eine Frau (wahrscheinlich um die 50). Der Mann fährt langsam, aber sicher. Die Frau ist sehr unsicher, rollt hauptsächlich mit einem Fuß am Boden und bleibt immer wieder stehen. An einer Stelle, wo sich der Weg teilt, fahre ich an ihnen vorbei. Unten halte ich kurz inne)

Mann: (fährt vorbei)

Frau:(bleibt stehen) Wow, das war ja super! Du bist ja gesprungen, und so schnell! Richtig toll!

Ich: Danke.

Frau: Viel Spaß noch!

Ich: Danke, ebenfalls.

Das war richtig nett. Es hat mich total gefreut, dass sie mich angesprochen hat. Ich hätte ihr am liebsten noch ein paar Tipps gegeben, was Grundposition angeht, damit sie beim nächsten Mal sicherer fährt. Aber man muss sich ja nicht aufdrängen 😉

Szene 3

(Ein trockener Herbsttag. Wieder an meiner Lieblingsstelle. Da dieses Stück Trail auf einen gut besuchten Weg mündet, schaue ich am Schluss immer, ob Fußgänger auf dem Weg sind und bremse auf Schrittgeschwindigkeit herunter. Meistens hören mich die Fußgänger schon früher und schauen mir auf den letzten paar Metern bevor ich abbremse zu. So auch dieses Mal. Drei Frauen und ein Mann (etwa 50 und älter) gehen für mich auf die Seite)

Frauen: (gejubel und gejauchze) Super! Jippiee! Toll!

Ich: (Riesengrinsen)

Mann: Jetzt mach mal langsam, Mädel.

Das war heute. Ich habe mich riesig gefreut über das Anfeuern und das Gejauchze von den Frauen. Das hat sich so bestätigend angefühlt. Die finden das cool und zeigen es mir auf so eine nette, spontane Weise. Der Kommentar von dem Mann? Naja, musste das sein? Ich weiß es nicht.

Insgesamt möchte ich die Leute nicht bewerten. Eins frage ich mich aber doch immer wieder? Wären diese Szenen anders verlaufen, wäre ich keine Frau gewesen? Und wenn ja, ist das unbedingt immer was schlechtes?

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