Foto: Mareike, privat

[GASTBEITRAG] Pünktlich um sechs Uhr morgens reißt mich mein Wecker aus dem Schlaf. Nachdem ich einen Moment lang nicht weiß, wieso um alles in der Welt ich an einem Sonntag so früh aufstehen sollte, kocht die Vorfreude in mir hoch. Es ist Sonntag, seit Urzeiten Biketag! Nachdem uns wochenlang das schlechte Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, ist heute endlich der Bikepark Braunlage angesagt. Endlich mal nicht hinter den Jungs die Berge hochhecheln, sondern bergab Gas geben. Es lebe der Lift!

Schnell noch ein Blick aufs Handy geworfen, ob sich meine Mitstreiter doch wieder von vermeintlichen Regentropfen abschrecken lassen (das hat in letzter Zeit häufiger für Meinungsverschiedenheiten gesorgt) und schon geht es im Auto los. Mein treu sorgender Fahrer versorgt mich auch dieses Mal wieder zuverlässig mit Essen für die Anreise, während ich ihn, vor prickelnder Vorfreude unentwegt redend, wach halte. Je näher wir unserem Ziel kommen, desto regnerischer sieht es aus. Es gilt also: Daumen drücken, dass das Wetter hält und wir den Tag weitestgehend trocken genießen können.

Drei unserer fünf Mitfahrerinnen und -fahrer erwarten uns im Harz schon auf dem Parkplatz. Die beiden schnelleren Fahrer (an dieser Stelle muss angemerkt werden, dass einige aus unserer Truppe gewisse Ambitionen hegen, die Geschwindigkeitsrekorde möglichst aller Strecken überall zu brechen. Oder anders gesagt: sie fahren frei nach dem Motto „Wer später bremst, ist länger schnell“) schlafen noch, wollen  sich uns aber im Laufe des Tages anschließen. Also geht es für uns erst einmal einige Runden entspannt auf den Berg und wieder herunter. Dabei werden wir schon ordentlich dreckig, da es die Tage zuvor geregnet hat und die Trails zum Teil tiefe Schlammlöcher aufweisen. Wieder einmal kann ich hier mein Talent dafür beweisen, zielsicher in die größten Pfützen zu steuern. Dreck gehört halt dazu! Einer meiner Mitstreiter bringt die Idee auf, einen halb versteckten Trail zu suchen, der von einer Rennveranstaltung der letzten Wochen übrig geblieben sein soll. Also schlängeln wir uns, mal mehr, mal weniger fahrend, durch Unterholz und Erdreich, um nach einigen Flüchen und Anfällen von Orientierungslosigkeit doch wieder heil am Parkplatz anzukommen.
Die beiden Nachzügler sind inzwischen auch eingetroffen. Mitfahrer Nummer vier präsentiert stolz sein neues Bike, frisch zusammengebaut! Während sich der Rest der Truppe begeistert über Technik und Geometrie an dem Wunderwerk auslässt, fällt mir dazu nur ein: „…ist ja schon nett, aber was ist das für eine komische Farbe?“ Das ist dann wohl doch das typische Mädchen in mir…

Frisch gestärkt und mit deutlich mehr Tempo als noch zuvor geht es weiter im Programm. Die Jungs wollen natürlich gleich über die schwierigsten Strecken heizen und ich muss mit! Unter gelegentlichen Anfeuerungsrufen meiner lieben Mitfahrer quäle ich mich also durch ausgesetzte Kurven, über Geröll und Wurzeln und schaffe es tatsächlich irgendwie, gesund und munter unten anzukommen. Mitfahrer Nummer drei hat weniger Glück, er schafft es an diesem Tag ganze fünf Mal Bodenproben zu machen. Glücklicherweise aber ohne ernsten Schaden zu nehmen. Also ab in den Lift und weiter geht’s!
Nach und nach lassen Kräfte und Konzentration nach und so beschließend wir gegen Abend, die Heimreise anzutreten. Alle Knochen und Rahmen sind heile geblieben, das Wetter hat sich gehalten, das neue Rad wurde angemessen eingeweiht und ich konnte endlich einmal wieder einen ganzen Tag auf dem Bike verbringen (an dieser Stelle ein großes Dankeschön an den Erfinder des Lifts!). (Viel) besser kann ein Sonntag doch gar nicht laufen, oder?

[Text und Bild von GIRLSRIDETOO.DE-Leserin Mareike]
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