Rosi mit ihrem Conway WME 827

Wir von GIRLSRIDETOO.DE hatten das große Glück, dass uns Conway vergangene Saison neue Bikes zur Verfügung gestellt hat. Jede von uns hatte die Wahl zwischen dem 29″ Marathon Fully MFC 829c, dem 27.5″ Enduro WME 827 und dem plusbereiften 27.5″+ Enduro WME 927+ . Ich wollte unbedingt ein neues Enduro ausprobieren und wählte das WME 827 in der kleinsten Rahmengröße (41cm). Nach einer vielseitigen Saison mit Rennen, Bergtouren und Bikeparkbesuchen an verschiedensten Locations wie dem Erzgebirge, Saalbach, Südtirol und sogar einem Abstecher nach Norwegen und Schweden, möchte ich nun meinen Eindruck von dem WME 827 mit euch teilen.

 

Erster Eindruck

Der erste Eindruck kurz nach Ankunft

Als das Bike im April bei mir eintraf, musste ich natürlich meinen Bachelorarbeits-Endstress kurz zur Seite legen und es sofort aufbauen. Der erste Eindruck ist wie immer der Optische und, wie ich finde, sehr überzeugend. Das „raw finish“ Aluminum ist schlicht, aber elegant, und die blauen Details passen gut dazu. Mir gefallen generell Bikes, bei denen das Oberrohr auf einer Linie mit der Sitzstrebe liegt und da kann das WME bei mir gut punkten. Das Bike wirkt im Dämpfer- und Steuerrohrbereich sehr wuchtig und macht auf den ersten Blick schon einen unzerstörbaren Eindruck.

Wuchtig ist es leider nicht nur optisch, auch beim Anheben wird sofort klar, dass es sich (natürlich) nicht um ein leichtes XC Bike handelt; es wiegt (mit Pedalen) an die 15kg, was für mich im Verhältnis zum Körpergewicht doch recht schwer ist. Das liegt nicht unwesentlich an den Komponenten, z.B. sind Lenker und Vorbau günstigere Teile aus Aluminium, der Fizik-Sattel ist recht schwer und auch die Laufräder sind kein Leichtbau und wiegen alleine schon fast 2kg.

 

Anpassungen

Ganz rechts das angepasste Cockpit von mir

Einige Anpassungen habe ich dann schon vor der ersten Fahrt gemacht: Lenker, Vorbau und Griffe habe ich ausgetauscht, da diese Komponenten für mich einfach Geschmackssache sind. So habe ich als positiven Nebeneffekt auch noch 300g gespart. Möchte man den originalen Lenker behalten, so kann er ohne Probleme auf fast jede Wunschbreite gestutzt werden. Die mächtige 780mm „Reckstange“ wäre mir ungekürzt auf alle Fälle zu breit.

Zusätzlich habe ich eine andere versenkbare Sattelstütze mit 125mm Hub verbaut, da die gelieferte nur 100mm versenkbar war. Das finde ich selbst für kurze Beine nicht optimal. Allerdings wurde es mit der Sattelhöhe bei meinen 165cm Körperhöhe mit 75cm Schrittlänge dann schon knapp: Ich konnte die längere Stütze gerade noch weit genug einschieben, damit der Sattel ausgefahren nicht zu hoch wurde. Von daher verstehe ich Conway, dass beim S Rahmen ab Werk nur die kurze 100mm Reverb verbaut ist.

Außerdem habe ich vorne den Mantel gegen einen Continental Baron Protection mit mehr Grip und stärkerer Seitenwand getauscht. Das war ein guter Ansatz, wie sich später herausstellen würde, denn die ab Werk verbauten Reifen sind Continental Trail Kings aus der günstigen „Performance“-Modellreihe.

Die für mich entscheidendste Veränderung, die ich gemacht habe (bzw. habe machen lassen), war das Fahrwerk auf mein Gewicht (52kg) einstellen zu lassen (Shimstack). Sowohl Gabel als auch Dämpfer waren auf den „Standardfahrer“ mit „Standardgewicht“ (~75kg) getuned und für meinen Geschmack ist das dann überdämpft und dementsprechend das Fahrwerk zu langsam. Man muss aber dazu sagen, dass andere, gleich schwere Fahrerinnen aus dem Team mit der Werkseinstellung gut zurecht gekommen sind. Mit diesen Anpassungen war dann das Wichtigste getan, und die Saison konnte losgehen!

 

Im Einsatz

Wanderwege in Norwegen

Der erste Einsatz war tatsächlich in Norwegen und Schweden, wo ich das WME auf wilden Wandertrails nördlich des Polarkreises und im Bikepark Åre bewegte. Ein bisschen skeptisch war ich schon, mit neuem Bike auf unbekannten Wegen zu fahren. Aber schon hier bewahrheitete sich der Slogan „We make Enduro“, von dem das WME seinen Namen hat: Das Bike gab mir nach nur kurzer Eingewöhnungszeit genug Wendigkeit, um Spitzkehren und enge Stellen auf stöpseligen Trails fahren zu können, aber auch genug Sicherheit, um im Bikepark gebaute Trails runterzuheizen.

 

Bikepark Are in Schweden

Auf den Jumplines im Bikepark Åre fühlte ich mich sofort super wohl und sicher auf meinem neuen Bike und hier würde ich auch das Haupteinsatzgebiet des WME sehen: schnell runter und viel in der Luft, einfach mal draufhalten. Es trägt mich immer verlässlich durch die „Augen-zu-und-durch“ Passagen und lacht mir dann unten entgegen, als sei nichts gewesen: „Nochmaaaal!“

 

Auch bergauf macht es sich gut

Auch bergauf kann das WME überzeugen: bei längeren Anstiegen ist die Geometrie mit der aufrechten Sitzposition bequem zu treten und lässt mich das Gewicht nicht allzu negativ bemerken. Mit der am 827 verbauten 11Fach Schaltung und 30er Kettenblatt komme ich super zurecht und überall hoch, wo ich nicht sowieso schieben würde. Auch für kürzere steile Anstiege wie die Auffahrt zum Hacklbergtrail in Saalbach sind mir die Gänge ausreichend klein. Insgesamt bin ich von der Bergaufperformace sehr angetan, besonders weil ich das auf den ersten Blick von diesem Bike nicht erwartet hatte.

 

Bei der Trailtrophy Flims/Laax

Bei einem Einsatzbereich allerdings beeindruckte mich das WME weniger: bei flachen, technischen Trails, auf denen man viel treten muss. Vor allem am Anfang blieb ich aufgrund des (im Gegensatz zu meinem vorgerigen Rad) tiefen Tretlagers und der recht langen Kurbel gefühlt überall hängen. Bei Rennen im „tendenziell bergab“-Gelände führte das bei mir zu großer Frustration. Gut, im Flachen über technische Trails holpern mag ich generell nicht besonders, das hilft natürlich nicht ;). Mit der Zeit gewöhnte ich mich dann aber an das tiefe Tretlager und habe mittlerweile im Gefühl, wann ich lieber nicht treten sollte um die Pedale nicht im Boden zu versenken. Eine Tretmaschine ist es trotzdem nicht.

 

Eine wahre Bergabmaschine

Insgesamt ist das WME eher ein Rad, das man pumpen statt treten sollte. Ein gewisses Gefälle ist nötig, damit es gut läuft. Aber dann kann kommen was will, es trägt mich immer sicher runter. Für meinen Fahrstil sind die Geometrie und das Handling absolut passend. Es ist wendig, der Hinterreifen lässt sich gut versetzen, aber es fühlt sich im Bikepark sehr wohl und macht alles an Drops und Sprüngen mit, was man ihm vor die Räder wirft.

 

Soo viele Plattfüße 🙁

Auch die Komponenten sind größtenteils vernünftig. Ein kleines Detail, das mir aber sehr viel Frust bereitete, waren die ursprünglich eingebauten Continental Trail Kings, von denen ich den Hinterreifen montiert ließ. Die verbaute „Performance“ Version ist die Billigvariante ohne verstärkte Seitenwände. Beim ersten Plattfuß gleich am zweiten Einsatztag dachte ich noch, dass einfach nur das Pech zugeschlagen hatte. Leider war dem nicht so und es setzte eine wahre Plattfußorgie ein, die ich auch mit fast 3 bar nicht stoppen konnte. Die stabilen Felgen stampften mir zwei Mal ein Loch in den tubeless aufgebauten Mantel. Nachdem ich mit tubeless aufgab, bescherten mir die Räder noch fünf weitere Durchschläge. An einem hochwertigen und teuren Fahrrad sollten meiner Meinung nach auch hochwertige Mäntel verbaut sein. Das Positive daran: Ich kann bestätigen, dass die DT Swiss „Spline E1900“ Laufräder ganz gut was aushalten. Denn nachdem ich schon auf den ersten Metern der ersten Stage bei der Trailtrophy Flims/Laax den Reifen plattgefahren hatte, fuhr ich einfach auf der Felge bis ins Ziel. Ohne Achter oder Delle, das finde ich schon beeindruckend.

Ein Bonus wäre, wenn das Fahrwerk schon von vornherein mit Low-Tune erhältlich wäre. Sowohl die Federgabel als auch der Dämpfer (Rock Shox Pike und Monarch Plus) funktionieren nach der Änderung nämlich hervorragend für mich. Von daher der Tipp an alle leichten Fahrerinnen und Fahrer: Setzt euch mit dem Fahrwerk eures Bikes auseinander, da ist massig Potential für noch mehr Sicherheit und Fahrspaß vorhanden!

 

Fazit

Insgesamt ein tolles Bike!

Nach einigen Modifikationen bin ich sehr zufrieden mit dem Conway WME 827. Ich finde es ist ein vielseitiges, verlässliches Bike für Touren und Bikepark-Einsatz. Es macht alles mit und ist definitiv eine Bergabmaschine, die viel Sicherheit vermittelt. Vor allem der Rahmen gefällt mir optisch und geometrisch sehr gut und ich würde einen Conway WME-Rahmen selber „privat“ fahren. Die Anbauteile sind funktionell und größtenteils gut, ich würde aber für mich tendenziell leichtere Komponenten verbauen, die dann wegen meines Körpergewichts auch nicht ganz so viel aushalten müssen. Ich fühle mich auf der Rahmengröße S sehr wohl, da es aber keinen XS Rahmen gibt, bin ich am unteren Ende der sinnvollen Körpergröße. Ich würde das Bike deshalb nur für Fahrerinnen und Fahrer ab etwa 165cm empfehlen.

 

Geheimtipp: Unsere Teambikes suchen am Ende der Saison neue Besitzer. Wenn Du Interesse an meinem Conway hast, schicke mir auf Facebook eine PN 😉

 

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