Es ist zwar schon ein wenig her, aber wir wollen Euch diesen Rennbericht trotzdem nicht vorenthalten. Am Wochenende vom 26.-28. Mai versammelte sich die Weltspitze des Mountainbike-Sports im beschaulichen, kleinen Ort Gleanealy um einen weiteren Stop der Enduro World Series abzuhalten. Auch unsere Teamfahrerin Steffi war zusammen mit Diana, Stefanie und Laura vor Ort und erzählt aus der Perspektive einer ambitionierten Hobbyfahrerin wie es sich anfühlt mit den Profis biken zu gehen.

Im Januar war ich frustriert. Die Startplatzlotterie für die Enduro World Series steht vor der Tür und ich kann mich nicht entscheiden für welche Rennen ich mich bewerben soll. Madeira, oder doch Frankreich oder Finale Ligure in Italien? Irgendwo ins Warme soll es gehen. Da ich mich nicht entscheiden kann, frage ich meine Freundin Laura um Rat und zeige ihr die Austragungsorte. „Was, da ist Irland dabei? Natürlich bewirbst du dich für Irland, ich komme mit!!“ ist ihre erste Aussage. Normalerweise bin ich ja nicht so der Mensch für den Norden, meine Urlaube habe ich bisher mit Ausnahme eines Städtetrips nach Hamburg alle südlich des Weißwurst-Äquators verbracht. Aber gut, es ist ja eine Lotterie, heißt ja nicht dass ich den Startplatz auch bekomme. Also einfach mal das Häkchen bei Wicklow und Finale Ligure gesetzt und die Bewerbung abgeschickt.

Anfang Februar dann der Schock: ich habe tatsächlich Irland gelost! Und für Finale hat es nicht gereicht. Also steht der Trip nach Irland. Zur Unterstützung nehme ich drei Mädels aus meinem alten Team Girlsridetoo mit denn zu mehreren reist es sich bekanntlich lustiger.

Unser Zuhause für neun erlebnisreiche Tage

Nachdem wir ein paar Tage mit unserem geliehenen Camper Irland unsicher gemacht haben beziehen wir am Donnerstagabend unseren Stellplatz auf dem Campgelände der EWS nahe dem kleinen Ort Gleanealy. Wir sind auch nicht die einzigen, gut 100 andere Wohnmobile tummeln sich hier.

Freitag früh holen wir zusammen die Startunterlagen ab, bzw die Presseausweise der Mädels und ziehen direkt im Anschluss los zum Training. Von 10-13Uhr stehen Stage 1&2 auf dem Plan. Das Wetter zeigt sich von seiner allerbesten Seite, es hat fast schon unangenehm warme 25°C und die Trails sind staubtrocken. Während dem Weg nach oben kreuzt man mehrmals die verschiedenen Stages und kann sich schon einen ersten Eindruck machen was uns erwartet. Stage 1 wurde extra für das Rennen neu angelegt. Der Waldboden ist daher noch frisch und weich, immer wieder führt der Trail über große Felsen und durch enge Kehren. Auch der ein oder andere steile und wurzelige Abschnitt sind dabei. Im Trockenen wirklich gut zu fahren, allerdings ist das Wetter für die folgenden Tage nicht ganz so gut vorhergesagt und so bleibt am Ende der Stage ein etwas ungutes Gefühl im Bauch zurück.

Stage 2 startet ein Stück weiter oben am gleichen Berg. Sie ist relativ unspektatkulär. Sie führt meist geradeaus in einer Rinne die mit hoher Geschwindigkeit dann doch relativ schmal wird. Es folgen ein paar engere Kehren im Wald bevor man am Fuße des Berges wieder ausgespuckt wird.

Ab 14 Uhr mache ich mich dann mit Stefanie und Laura auf den Weg zu Stage 3. Die Stage ist wohl die bekannteste von allen. Sie startet ganz oben auf dem unbewaldeten Bergrücken und führt über sehr anspruchsvolle Felsen steil nach unten. Ab der Waldgrenze wird der Trail etwas zahmer, und im unteren Teil auch immer schneller. Am Ende folgt noch ein langes Tretstück im Wald. Die letzte Stage des heutigen Trainings startet dann etwas abseits von den anderen. Hier wurde ein großer Teil Wald abgeholzt und das Gelände mutet etwas wild durcheinander an. Der Trail führt anfangs flach dahin bevor er dann etwas mehr Gefälle entwickelt. Mit fast Schrittgeschwindigkeit muss man über einen querliegenden Baum springen bevor der eigentliche Spaß losgeht: es geht im Slalom mit kleinen Anliegerkurven durch einen dichten Wald. Hier kommt richtiges Achterbahn-Feeling auf und ich komme mit einem fetten Grinsen im Gesicht unten an.

Als ich zurückkomme haben die Mädels bereits Abendessen gekocht. Ich fühle mich fast wie ein echter Profi mit so viel Unterstützung.

Als wir am nächsten Morgen aufwachen dann die böse Überraschung: es regnet in Strömen!! Unsere irischen Wohnmobilnachbarn bestätigen uns dann auch prompt, dass der Regen selbst für irische Verhältnisse sehr heftig sei. Na toll…gut dass ich den ganzen Tag Zeit habe für das Training. Bis Mittag hoffe ich noch darauf dass irgendwann Besserung eintritt, aber der Regen scheint immer heftiger zu werden. Kurz nach 13Uhr starte ich dann zusammen mit Maxi, einem guten Bekannten zum Training. Die Mädels haben dagegen beschlossen die Bikes heute stehen zu lassen und maximal zu Fuß eine Runde über das Gelände zu drehen.

Sturzbäche kommen uns auf dem Weg nach oben entgegen

Maxi und ich haben das Training erfolgreich „durchschwommen“

Als wir hochtreten zum Start der Stage 5, kommt uns das Wasser in Bächen entgegen. Das letzte Stück zum Start der Stage ist durch den Regen und Matsch unfahrbar und so heißt es absteigen und schieben. Auch die Vollprofis wie Kelly Mc Gerry und Ritchey Rude wirken heute nicht sonderlich glücklich über die Verhältnisse. Lustigerweise fahren die Profis auch heute alle mit Goggles, haben aber die Scheiben daraus entfernt da die eh nur beschlägt (meine auch). Die Stage 5 ist ein schwieriges Monster.

Nach einigen Metern bergab folgt eine knackiger Gegenanstieg durch 30cm tiefen Morast. Der Regen hat den gesamten Boden so sehr aufgeweicht dass ein Vorankommen kaum möglich ist. Neben mir sehe ich Sam Hill durch den Schlamm straucheln – gut zu wissen dass nicht nur ich mich hier gerade schwer tu. Nach dem Schlammloch folgen ein paar fiese und steile Felspassagen, ähnlich zu Stage 3. Es ist eine einzige Rutschpartie. Am Ende der Felspassage dann ein kleiner Sprung und danach eine etwas entspanntere Passage über sandigen (und damit kurzzeitig nicht schlammigen) Boden. Hier fährt man in einem Sturzbach den Hang hinunter. Nach der Passage erreicht man wieder den Wald. Und hier ist der Boden wieder schlammiger. Ein kleiner Gegenanstieg, der mir bei trockenen Bedingungen sicher nicht einmal aufgefallen wäre wird mir zum Verhängnis. Trotz meiner Maxxis Shorty Reifen habe ich nicht genug Grip und rutsche den kleinen Hang rückwärts wieder runter. Ich komme weder vor noch zurück. Am Ende benutze ich mein Rad als Steighilfe um den kleinen Minihügel zu erklimmern…und fühle mich dabei ziemlich dämlich. Der Rest vom Trail ist ebenfalls eher eine Schlammschlacht, die ich mehr rutschend als fahrend hinter mich bringe. Im Ziel der Stage wartet Maxi auf mich, und wir starten ein zweites Mal nach oben.

Am Start von Stage 6 liegen beunruhigend viele Räder im Gras. Dies ist bei der EWS nie ein sonderlich gutes Zeichen, wie ich noch von den letzten Rennen weiß. Allerdings haben weder Maxi und ich gerade allzugroße Lust länger im Regen zu stehen als wir müssen. Also läuft nur Maxi kurz ein paar Meter in die Stage rein und wir fahren dann einfach los. Ich versuche einfach an Maxis Hinterrad zu bleiben. Kurz bin ich dankbar dass er vorne fährt und ich mir die Strecke nicht angeschaut habe, ich wäre sonst keinen Meter weit gefahren! Das ist hier keine Strecke, das ist ein Massaker! Wieder etwa 20cm Schlamm und unter dem Schlamm wahllos Löcher, Felsen und Wurzeln. Danach folgt die sogenannte „Carnage Corner“ die ich schon aus diversen Videos der letzten Jahre kenne. Kurz überlege ich stehen zu bleiben, entschließe mich dann aber es auf’s erste Mal durchzuziehen. Etwas perplex komme ich am Kurvenausgang an und muss hier tatsächlich erstmal kurz durchschnaufen. Ein unfreundlicher Streckenposten scheucht mich aber sofort an den Rand der Strecke und schimpft auf mich ein. Als ich mich wieder gesammelt habe merke ich auch warum: direkt einen Meter weiter folgt ein Steilstück, was tatsächlich noch etwas fieser aussieht als die Carbage Corner selbst. Ich sehe wie einige der Topfahrerinnen die Stelle hinunterschieben. Etwas größenwahnsinnig geworden und gleichzeitig gestresst von dem Streckenposten der mich inzwischen anbrüllt ich solle endlich hier verschwinden da ich im Weg wäre, versuche ich das Stück zu fahren. Kurz vorm Ende erwische ich mit dem Vorderrad eine blanke Wurzel und mein Rad rutscht weg. Ich schaffe es abzuspringen und lande sogar auf den Beinen, aber mein Rad landet fies auf einem Felsen und das Geräusch lässt mich übles ahnen. Schnell schnappe ich es mir und fahre ein paar Meter weiter um nicht länger im Auslauf des Steilstückes zu stehen. Oje, das sind ein paar echt tiefe Kratzer in meiner Federgabel und im Rahmen. Außerdem eine Delle im Hinterbau. Unglücklich mache ich mich auf die letzen Meter Trail. Es ist unglaublich rutschig und ich schaffe es kaum meinem Rad eine grobe Richtung vorzugeben, da es einfach zu rutschig ist. Unten warten die Mädels auf uns und machen erstmal ein paar Fotos von uns im Dreck. Ich friere inzwischen elendig und mache mich schnell auf den Rückweg zu unserem Camper wo ich eine (kalte) Dusche nehme und mich anschließend in meinen Schlafsack einwickele. Den Abend lassen wir gemütlich im „Pub-Zelt“ bei Red- und Pale-Ale auf dem Eventgelände ausklingen.

Am Renntag, kurz vor dem Start. Ohne die Unterstützung meiner Mädels wäre ich vor Aufregung wahrscheinlich umgekippt

Am Renntag wache ich viel zu früh auf und kann nicht mehr einschlafen. Aber immerhin regnet es nicht mehr. Allerdings hat der Regen Spuren hinterlassen. Der gesamte Boden auf dem Camp- und Eventgelände ist aufgeweicht. Überall sind tiefe Pfützen. Ich habe Sorgen in welchem Zustand die Stages wohl sein werden. Am Start treffe ich die anderen deutschen Mädels, Veronika Brüchle und Sandra Rübesam, wir starten direkt hintereinader und kurbeln zusammen zur ersten Stage hoch. Die vor uns gestarteten Männer lassen uns Böses ahnen: sie sind von oben bis unten voller Dreck. Ein Blick auf die Uhr zeigt uns außerdem dass die Transferzeiten echt knackig kurz sind. Kaum oben am Start der ersten Stage angekommen geht’s auch schon los. Schneller als mir lieb ist finde ich mich auf der Strecke wieder – und es ist wirklich hart. Der Boden ist durch den Regen komplett aufgeschlammt und dadurch dass es aufgehört hat zu regnen super schmierieg. Nach kurzer Zeit sind meine Reifen zu einem festen Schlammwulst verklebt und ich rutsche nur noch mit Glück in die richtige Richtung. Kurz von dem Steilstück rutsche ich weg und parke quer an einem Baum. Losfahren gelingt mir leider auch nicht, also nehme ich, sehr zur Freude der zahlreichen Zuschauer, die pragmatische Lösung und rutsche kurzerhand auf dem Allerwertesten nach unten. Im weiteren Verlauf überhole ich mit meiner Taktik sogar noch eine Fahrerin. Die Enduro Wet Series macht ihrem Namen alle Ehre.

Immer wieder geht’s den gleichen Weg nach oben. Gut dass mich meine Mädels immer wieder anfeuern!

Im Ziel angekommen werfe ich einen Blick auf meine Uhr. Ohje, ich bin spät dran. Ohne stehen zu bleiben ziehe ich für die Bergauffahrt nur kurz meine Goggle ab und trete weiter. Stage 2 läuft nur ein wenig besser, das Fahren im Schlamm und mit dem durch den Schlamm schweren Fahrrad zerrt aber sehr an meinen Kräften. In Stage 3 erlebe ich dann eine Überraschung, hier sind Hunderte Zuschauer am Streckenrad. Die Stimmung ist überwältigend und als ich starte geht großer Jubel hoch. Später erzählen mir meine Mädels dass ich wohl die erste Fahrerin im Starterfeld war die den gesamten Abschnitt gefahren ist, alle anderen Frauen vor mir sind wohl durch die Felsen gelaufen! Trotzdem raubt mir das Tretstück im weichen Boden alle Kraft. Völlig fertig komme ich am Ende der Stage 3 an. Veronika Brüchle gibt mir beim folgenden Anstieg etwas von ihrem Wasser ab und rettet mich so vorm Verdursten. Die vierte Stage läuft dennoch nur noch schleppend, so richtig komme ich nicht mehr in den Fahrfluss. In der Mittagspause vor den letzten beiden Stages sitze ich katatonisch vor meinem Nudelsalat und versuche mir irgendwie das Essen reinzuzwingen. Ich hätte nicht gedacht dass es so anstrengend wird. Beim Anstieg zu Stage 5 merke ich bereits dass ich nicht mehr fit bin. Obwohl wir etwas früher als wir gemusst hätten vom Mittagessen aufbrechen kommen Veronika und ich auf die letzte Minute am Start an. Ohne Verschnaufpause müssen wir in die Stage starten. Das große Schlammloch vom Vortag ist noch fieser geworden.

Am Start von Stage 3

Es hält mein Fahrrad fest wie Kleber. Ich muss abspringen und laufen. Ein paar Meter weiter im Steinfeld stürze ich ohne zu wissen warum. Wahrscheinlich aus Mangel an Kraft. Nur am Rande nehme ich wahr wie die Zuschauer mich anfeuern wieder auf’s Rad zu steigen. Irgendwie kämpfe ich mich weiter. Im unteren Teil werde ich noch zweimal überholt bevor ich gänzlich entkräftet im Ziel ankomme und beschließe aufzugeben. Zu groß ist mir das Verletzungsrisiko.

 

Nichtsdestotrotz bin ich froh es versucht zu haben. Ich bin mir sicher dass meine Fahrtechnik von dem wilden Schlammritt profitiert hat. Und die irischen Fans zu erleben ist alleine die Reise zum Emerald Enduro wert!

 

Danken möchte ich meinen Mädels die mich bei dem Rennen so toll unterstützt haben, danke Laura, Diana und Stefanie!

Außerdem ein ganz großes Dankeschön an meine Sponsoren, allen voran die World of MTB ohne die mir eine großartige Plattform für meine Rennberichte bieten und mich unterstützen. Danke an Liv Germany und Ludi für das supertolle Racebike, danke an Maxxis Tires für die Schlammreifen, An Vaude für die eins-A funktionierende Regenkleidung und an IXS für Helm und Protektoren die dafür gesorgt haben dass mir bei meinen Stürzen nichts passiert ist. Außerdem großes Danke an DT Swiss für die Laufräder und an Clif Bar für die leckeren Powerbars und Gels ohne die ich wahrscheinlich keine fünf Mal diesen vermaledeiten Berg hochgekommen wäre!!

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