Seit einigen Jahren bin ich ja selber in Sachen Fahrtechnik engagiert, aber vor einiger Zeit hatte ich die Idee, mich mal wieder im Rahmen eines Kurses fort zu bilden. Um mir Feedback abzuholen für das, was ich glaube gut zu können, und um auch mal wieder die Teilnehmerperspektive zu haben. Also hab ich mich für einen Ladies Only Kurs (Fit for Trail – Advanced) im Allgäu angemeldet. Wieso eigentlich Ladies Only? Kurz war ich unsicher ob mirs nicht egal sein könnte, ob ich nicht genauso mit nem Rudel Männer im Kurs sein möchte – aber die Lust auf eine reine Frauengruppe hat gesiegt. Und ich hab es null bereut.

Und so trafen wir uns an einem supersonnigen Juni-Samstagmorgen hinter Kempten: 8 Teilnehmerinnen plus Johanna, unsere Bundeslehrteam-nahe Fahrtechnik-Expertin. Die deutsche Alterspyramide war in der Gruppe exakt abgebildet, die Sonnencreme duftete, und wir turnten das bekannte Programm der Fahrtechnik-Grundlagen auf dem Übungsplatz durch. Ich glaube ich war so beschäftigt damit, meine 2 Perspektiven zu gebrauchen, nämlich als Teilnehmerin adrett mit zu üben, und Johannas Fahrtechnik Vermittlung im Blick zu haben, dass mein Hirn aus Kapazitätsgründen das Namensgedächtnis außer Betrieb setzte. Es hat ewig gedauert bis ich mir merken konnte wie meine Radlkolleginnen heißen. Ich hab auch nie gepeilt wann ich nach wem fahren sollte. Ist mir nie bewusst gewesen, dass man sich das als Kursteilnehmer ja auch merken soll. Oder kann. Oder nicht? However.

Zum Glück war das ganze ein „Advanced“ Kurs, so dass wir auch auf den Pumptrack UND die Table Line durften. Letztere war leider aktuell nicht grade frisch geshaped, und ich war leider aktuell auch nicht gerade frisch in Übung. Die Folge: mein Engagement, drüber zu kommen verpuffte in schlechtem Absprungtiming und verschnarchten Reflexen. Dennoch: Wir hatten unseren Spaß. Bei den meisten in der Gruppe waren das vermutlich die ersten Tables ever, über die sie gerollt sind. Und dass das schlichte Überrollen solcher Hügel zwingend eine gewisse Dynamik im Bikehandling auslöst, gibt ihnen auch unter den Rädern nicht hüpfbesessener Mountainbikerinnen starke Existenzberechtigung.

Schließlich verließen wir das Übungsterrain und begaben uns auf einen sanften Trail der sich über die Wiese schlängelte. Hier gab es erste „echte“ Kurven, dank Johanna frisch mit Kurven-Hütchen garniert! Methodisch grandios durften hier verschiedene 2er-Teams im Wechsel verschiedene Aufgaben erfüllen: Fahren, oder Haltung beurteilen, Blickrichtung oder Radneigung begutachten und Feedback geben an die, die gefahren sind. Da kommt keine Langeweile auf. Ah was haben wir unsere Sache gut gemacht, wir liefen inzwischen auch schon schön warm zusammen, hatten uns schon ein bisschen kennengelernt, so dass die Nummer mit viel Gewitzel echt lustig und freundlich ablief.

Als nächstes ging es hinein in den herrlich kühlen Wald, wo mehr Kurven für uns bereitlagen. Ja, das war wohl das Kurvenreich, oder zumindest das Vorzimmer davon. Auch hier legte Johanna farbige Kurvenhütchen in den Scheitelpunkt der Kurven und dorthin, wo wir idealerweise nach dem passieren des Kurvenscheitels hinschauen sollten. Irgendwann war genug gekurvt, und vor der Mittagspause gabs noch ne kleine Steilpassage, kurz und saftig mit Würzelchen. Lecker. Zu Mittag viel Salat, war ja ne Frauengruppe. Die Klischees bedienten wir souverän.

Jetzt das seltsame: Ich kann nicht mit Bestimmtheit sagen welche Elemente wir wann gemacht haben. Weitere Kursinhalte waren jedenfalls Front vom Bike heben, Heck heben, beides kombinieren. Und was ich gelernt habe ist, dass es keine Schande ist wenn man als Fahrtechnik-Trainer für den Normalraum keinen richtigen hohen Bunnyhop beherrscht. Was hat‘s mich erleichtert! Gegen 17h war Tag 1 zu Ende. Ich auch ziemlich, es war nämlich krachwarm. Und weil ich dooferweise meinen Van nicht dabei hatte und insofern nicht für Camping gerüstet war, von frischen Klamotten ganz zu schweigen, musst ich die 65km nach Hause fahren, wo zum Glück ein kühles Weißbier auf mich wartete.

Tag 2 stand im Zeichen der Spitzkehren. Hierfür balancierten wir uns beim Absteigerles-Spiel warm, kurvten enge Achter um – ja: Kurvenhütchen, und dann erklommen wir exorbitante 110 Höhenmeter, bis wir vor einem netten schmalen Trailbeginn die Bikes parkten. Begehung war angesagt. Uuuui das sah lecker aus! Kurven und Kehren, weiter und enger und steiler und flacher, von allem etwas. Wir schnappten die Bikes und übten, dass die Tannenzapfen nur so flogen. In diesem Hangabschnitt fand jede ihre persönliche Steigerungsmöglichkeit; und ich rückte meinem gestern identifizierten Fuß-Haltungs-Fehler zu Leibe. Wir kurvten und „kehrten“ so viel, dass sich‘s profund in meine Nervenbahnen einprägte, was meine Füße künftig in Kehren zu tun und zu lassen hatten.

Herrlich war das gegenseitige Ermutigen, die Begeisterung über die Erfolge die jede von uns erzielte. Der Wald war voll mit unserem Lachen und den Anfeuerungs- und Motivationszurufen. So lernt sichs ganz wunderbar.

Und da war es, das Flair von Biken unter Frauen, diese Leichtigkeit, das Wohlwollen, die Begeisterung über die geglückten Fahrmanöver der anderen, einfach Girlsride-Feeling! Oh ja, Girls ride too!

SHARE IT:

Leave a Reply

You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>