Die kalte Jahreszeit stellt ganz neue Herausforderungen am Berg – es wird früh dunkel, Trails und Wege sind voll Schnee und/oder Eis, es ist bitterkalt und das Wort Zwiebelprinzip füllt einen ganzen Rucksack voll Wechselkleidung. Unter den neuen, sehr fordernden Bedingungen verändern sich Touren deutlich im Schwierigkeitsgrad und der Intensität.

Ich liebe die Berge. Am besten die, die schöne Gipfel haben. Es müssen nicht immer die höchsten Berge sein – nein die Voralpen spielen ihren ganz eigenen Trumpf aus. Hier fühle ich mich wohl. Im Sommer wie im Winter. Doch der Winter stellt andere und somit eigene Anforderungen an Mensch und Material. Vor ein paar Jahren bin ich zunehmend mehr Touren alleine gegangen und musste mich mit einem anderen Grad der Eigenverantwortung am Berg auseinandersetzen.

Und dann kamen ebenso die ersten Nachttouren mit Partner oder/und Freunden. Nach all der Erfahrung fing ich mit Freundinnen an, „Mädels Touren“ bei Nacht zu machen. Immer wieder ziehe ich jedoch auch ganz alleine mit dem Wissen los, dass ich in die Dunkelheit kommen werde. Mittlerweile sind die Winter zu wechselhaft, um primär auf Skitour zu gehen. Daher erklimme ich auch zu Fuß die Berge in Wintermonaten.

….Es ist Ende Dezember gegen 14.30 Uhr und ich stehe wie so oft auf einem fast menschenleeren Wanderparkplatz. Ich zieh den Rucksack auf meine Schultern, Stöcke in die Hand, Musik auf die Ohren und los geht’s. Ich geh mir den Sonnenuntergang anschauen – auf einem Gipfel.

Mir ist klar, dass ich in die Dunkelheit kommen werde.

Mir ist klar, dass ich mit sinkenden Temperaturen zu tun habe und die Kälte an den Körper kriechen wird.

Mir ist klar, dass Wege vereist, verschneit und eventuell sehr schlecht zu begehen sind.

Mir ist klar, dass die Einsamkeit schnell einsetzen wird.

Die paar Menschen, die man noch trifft, warnen vor dem Weg und dass es zu spät sei los zu gehen –ich trotte trotzdem weiter. Zugegeben, leichte Bedingungen sind anders: Abgeblasener Schnee, Eis, sowie ungespurter Schnee warten auf mich. Schnell wird eine „einfache Tour“ auf den Jochberg zu einer Herausforderung. Ständig ist der Boden glitschig und rutschig, die Spur ist anspruchsvoll. Sie verläuft recht steil und immer näher an die Abbruchkante in die steile Nordwand. Mir wird schnell klar, dass ich diesen Weg nicht nehmen kann und wähle einen anderen, um dieser Gefahrenstelle aus dem Weg zu gehen.

Langsam und stetig stapfe ich den Weg zum Gipfel, bis ich wirklich ganz oben ankomme. Was für ein Gefühl. Ich atme ein und atme aus, die sinken Temperaturen kriechen an mich und ich muss mich komplett umziehen.

Dick eingepackt stehe ich nun hier – in der Dunkelheit, trinke noch zwei Tassen Tee und mache mich auf in den Abstieg. Die Bedingungen sind noch schlechter als beim Aufstieg, da die Temperaturen anziehen und der geschmolzene Schnee nun zu dünnen Eisplatten wird. Der Lichtkegel meiner Stirnlampe leuchtet hell. Alles andere um mich ist pech-schwarz. Und irgendwann spuckt mich der Weg wieder am Wanderparkplatz aus. Hach, genau richtig war das.

Abends am Berg, intensiv draußen in der Natur zu sein hat seinen eigenen Reiz. Die Natur und die Erlebnisse sind oft abenteuerlich und atemberaubend – und unter gewissen Voraussetzungen zu empfehlen. Denn jeder sollte wissen, wie weit die eigenen Fähigkeiten reichen und auch schon tagsüber diverse Touren alleine gemacht haben. Insbesondere im Winter gibt es eine paar grundlegende Aspekte, die beachtet werden müssen:

  • Wechselkleidung: etwas für den Aufstieg, weil es durch die aufgestiegenen Höhenmeter sowieso kälter wird und die Temperaturen bei untergehender Sonne deutlich kälter werden

  • Wechselkleidung: etwas für oben, um sich am Gipfel frische Sachen anzuziehen

  • Extra Kleidung: Dicke Jacke, Hardshell, Mütze, Handschuhe, Buff, Paar Socken

  • Essen und ein warmes Getränk

  • Biwaksack

  • Stirnlampe mit voller Batterie

  • Handy mit vollem Akku

  • Jemanden Bescheid sagen, wo man ist und bis wann man sich meldet

Bei der Planung ist es wichtig, dass die Auf- und Abstiegzeiten, die man sonst so gewöhnt ist nicht eingehalten werden können aufgrund der Bedingungen. Ebenso sollte jedem bewusst sein, wo die eigenen Grenzen liegen. Umdrehen am Berg ist keine Schwäche, sondern die Stärke von jeder Athletin!

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