img_4113Wenn Barbara lacht, dann strahlt und lacht alles an ihr – und die allermeisten mit. Zu ansteckend ist die ehrliche Freude – am Biken und am Leben – der lebenslustigen Schwäbin. Nur konsequent, dass sich Barbara genau das auf die Fahnen geschrieben hat: diese Freude weiterzugeben.
Ihre Mission: Mehr Gelassenheit, Selbstvertrauen und somit am Ende mehr Spaß am Biken für Frauen, denen Angst und Blockaden eben diesen zunehmend nehmen. „Mut tut gut“ nennt sich das Workshop-Konzept, mit dem die ausgebildete „Sport-Mental-Trainerin“ arbeitet – ein passender Name für ein wirkungsvolles Set aus spannendem Hintergrundwissen und mentalen Trainingsmethoden, das  in der Regel schon beim Üben jede Menge Spaß und Aha-Erlebnisse mit sich bringt. Bei einem großen Eis im Biergarten hat sie uns im Sommer mehr darüber erzählt …  

Wie bist du zum Mountainbiken gekommen?
Ich glaube, es war der 30. Geburtstag (also vor ewigen Zeiten…hihi), an dem mein Mann mir ein  MTB geschenkt hat. Ich war schon immer viel mit dem Rad unterwegs und hatte irgendwann mal geäußert, dass ich dieses Bergradeln sehr interessant fände. Das Bike hatte natürlich noch keinerlei Dämpfer und eine Starrgabel, war quietschgelb und ich habe es geliebt!
Die Zeiten änderten sich, die Bikes ebenfalls. Tatsächlich war ich, du erinnerst dich bestimmt auch, schon beim ersten GRT-gets out dabei. In dieser Phase hat es mich dann irgendwie richtig gepackt, ich machte Fahrtechnikkurse, engagierte mich beim DAV, machte den Fachübungsleiter-MTB, baute meine eigene Bikegruppe auf, mit der ich wenn möglich jede Woche unterwegs bin. Dann kam die Ausbildung zum Sport-Mentalcoach und im letzten Jahr das Abenteuer Selbständigkeit mit meiner Firma MTB-Fahrspaß und den MUT TUT GUT! -Kursen und Biken mit Köpfchen.

Was ist für dich das Schönste am Biken, das Besondere im Vergleich zu anderen Sportarten?
….schwierig, dies tatsächlich auf den Punkt zu bringen…die Vielfalt der Möglichkeiten?
Mühe und Anstrengung beim Hochfahren – dann Aussicht genießen –  frische (Berg-) Luft atmen – Vesper am Berg (gaaaaanz wichtig!) –  gemeinsam mit Freunden unterwegs sein – alleine unterwegs sein, runter kommen und Luft holen – Trails und Abfahrten mit all ihren Raffinessen – mit viel Dopamin unten ankommen – …soll ich weiter machen?…

Was war dein schönstes Bike-Erlebnis?
…das wird jetzt ähnlich wie bei Punkt 2… in zahlreichen Bikejahren hast du eben auch zahlreiche wunderbare, schöne Erlebnisse. Im Superlativ kann ich dir das daher nicht beantworten. Als Highlights empfinde ich allerdings immer meine Mehrtagestouren z.B. für den Alpenverein. Den ganzen Tag unterwegs, den Fokus komplett aufs Biken gerichtet.
Und dein schlimmstes?
Habe ich glücklicherweise auch nicht wirklich. Tatsächlich habe ich mich persönlich noch nie größer verletzt und Tourenteilnehmer oder Coachees, die nicht so viel Glück hatten und sich bei einem Sturz verletzten, konnten wir immer  gut erstversorgen, betreuen und zum Arzt oder ins Krankenhaus transportieren. Dafür bin ich wirklich dankbar.

 

Zum Einstieg: „Mut tut gut“ – Schlachtruf oder Mantra für dich?
Mut ist für mich vor allem ein schönes Gefühl, das mir persönlich ganz viel gibt, weil ich da an meine Stärke heran komme. Wenn ich weiß, ich bin mutig und kann dadurch ganz viel machen, dann ist das super.
„Schlachtruf“ insofern als das man es sich manchmal ja tatsächlich laut vorsagen muss und viele Frauen da davon dann sehr profitieren. Ich merk, wie gut es den Frauen tut, wenn sie mutig werden. Insofern: ich glaub, Mut ist etwas ganz wichtiges – egal, ob Schlachtruf oder Mantra.  Es geht darum, sich von Ängsten zu befreien und sich selbst was zuzutrauen – aber nicht um Übermut oder Leichtsinn. Im Gegenteil.

Was ist das Zentrale für dich an dem „Mut tut gut“-Konzept?
Was für mich persönlich ganz wichtig mit „Mut tut gut“ ist: Ich möchte gerne etwas für Frauen machen, wovon diese wirklich profitieren  – ob beim Biken oder im Alltag – etwas, wodurch sie Selbstbewusstsein bekommen und mutig werden und dadurch ein Stück weit besser leben können.
Es geht auch darum, sich selbst in Angst- und Stresssituationen  mit Hilfe mentaler Techniken regulieren können bzw. eigentlich schon vorher, um gar nicht erst in diese hinein zu kommen. Sei es im Sport oder bei den tagtäglichen Herausforderungen. Einfach sich hinzustellen und zu wissen: wenn ich jetzt tief atme, mich auf meine Atmung fokussiere, kommen ich wieder runter. Und um die Erkenntnis, dass sich Aufmerksamkeit und Fokus steuern lassen und eine selbstbewusste Körperhaltung viel ausmacht. All das hilft den Frauen, das machen zu können, was sie machen möchten. Das finde ich ganz essentiell.brigitte_k

Bei „Mut tut gut“ geht es, wie gesagt, nicht darum, über seine Grenzen hinweg zugehen. Ich lerne meinen Grenzen vielmehr kennen und weiß, wo sie sind und kann mit Selbstbewusstsein sagen:  „Das mache ich nicht. Das kann ich nicht. Das möchte ich nicht“. Anstatt zu jammern, „Ich bin so schlecht. Ich fahr so schlecht. Das ist ja alles so furchtbar….“ Wenn ich es nicht kann, kann ich es nicht. Wenn ich es nicht will, will ich es nicht. Punkt. Hinstellen und  dazu stehen. Beherzt fahren oder beherzt absteigen.  Ich sag immer: Wenn ihr nicht wollt, sagt ihr NEIN. Die Freiheit müsst ihr haben, und da arbeite ich auch wirklich mit den Frauen dran. Grad gegenüber Männern traut man sich ja oft nicht so. Da liegt auch ein großes Konfliktpotential bei Paaren, das merke ich oft. „Der sagt immer, fahr halt, mach die Bremsen auf“ und was weiß ich, was die sich oftmals alles anhören müssen.  Da so mutig zu sein und klar zu sagen, wenn man das nicht will – das gehört für mich auch dazu. Es geht da nicht nur um das bisserl Radln, sondern um viel mehr. . .
Im Gegenzug, wenn sie sagen: eigentlich möchte ich das schon, traue mich aber nicht, dann bekommen sie Hilfestellung und ich zeige und erkläre ihnen, wie sie „brainfriendly“ üben können: vom Leichten zum Schwierigen, vom Einfachen zum Komplexen … etc.

Wie bist du selbst zu „Mut tut gut“ gekommen?
Über die Petra Müssig und den Arne Seeber, die ich über das „GIRLSRIDETOO.DE gets out“-Camp kennengelernt habe. Von ihr hab ich von ihrer Fortbildung „bike brain friendly“ für MTB-Trainer und -Guides erfahren. Ich war damals schon Fachübungsleiter MTB beim Alpenverein und so hat mich das gleich interessiert. Da ich  immer gerne mal einen Kurs mache und mich weiterbilde, hab ich die Fortbildung besucht  – und fand das dann so klasse, dass ich gleich noch die große Ausbildung zum „Sport Mentalcoach“ hinten dran gehängt habe. Das hat mir selbst so gut getan, ich hab persönlich so viel davon profitiert und profitiere heute noch davon, dass ich wirklich sehr froh bin, dass ich das gemacht habe.

Was hat „Mut tut gut“ für dich persönlich verändert?
Oh, ganz viel. Auch von der Einstellung her zu mir selber.  Das betrifft aber nicht nur „Mut tut gut“, sondern das gehirnfreundliche Lernen und die mentalen Techniken im Allgemeinen. Techniken, um runter zu kommen, ruhig zu werden … Ich bin ein relativer impulsiver Mensch und hab schon Temperament. In meiner Beziehung oder mit den Kindern – da kann ich diese Techniken oft gut gebrauchen. Und bei Biken natürlich auch. Ich fahr inzwischen einfach schon in einem Level, wo es (für mich) manchmal ans „Eingemachte“ geht – und gerade wenn ich da dann mit Leuten unterwegs bin, die besser als ich sind, profitier ich von jeder Technik – sei es Atmen oder Aufmerksamkeits- und Blicksteuerung oder oder oder. 
Am Anfang hab ich auch immer gesagt „ich mach das jetzt erst einmal für mich“. Ich hab da gar noch nicht so viel dran gedacht, was daraus werden könnte. Dass das für mein Guiding auch gut sein würde, war mir schon klar, aber die große Ausbildung hätte ich dafür eigentlich erstmal nicht gebraucht.

Wie lief die Ausbildung ab?
Kurzweiliger theoretischer Unterricht und viel Praxis. Von Anfang an haben wir sehr viel ausprobiert und die Theorie gleich umgesetzt – in den unterschiedlichsten Sportarten, z.B. beim Klettern aber auch beim Golfen. In der Kletterhalle bin ich manchmal echt an meine Grenzen geraten – ich bin nicht so ganz schwindelfrei – und musste dort dann auch wirklich an mir mit den Techniken arbeiten. Selbst zu erfahren, wie gut man das anwenden kann, war da schon toll.
Ansonsten haben wir einfach viel Hintergrundwissen zu Neurobiologie, Lerntheorien und den Methoden etc. mitbekommen, das ich in meiner  festen Bikegruppe, die ich wöchentlich für den DAV leite, ganz nach Bedarf einbringen kann. Ja, und jetzt mache ich ja ganz speziell diese «Mut tut gut!“ – Biken mit Köpfchen» – Kurse.

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Das Mut-tut-gut-Trainerteam

 Wie kam das, dass die Erfinderin des Konzeptes Petra Müssig ihre Mut tut gut Kurse an euch übergeben hat?
Petra hat sich neu orientiert und wollte die Kurse nicht mehr machen – und hat deshalb einige ihrer „Auszubildenden“ gefragt, ob sie das Thema übernehmen möchten. Ich selbst hatte vorher schon einige Male bei ihr in den Mut tut gut-Kursen hospitiert und als Partner mitgewirkt und immer irrsinnig viel Spaß daran gehabt. So hab ich dann mein eigenes Kleingewerbe «MTB- Fahrspaß» gegründet und biete nun darüber die Kurse an.
Am Anfang waren wir 5 Mut tut gut-Trainer, jetzt sind wir zu siebt – und alle haben die Ausbildung bei Petra Müssig gemacht und wurden von ihr ausgewählt. Wir sind eine tolle Truppe, aber kein festes Team. Jeder hat seine eigene Firma und bietet seine Kurse an.  Aber wir treffen uns hin und wieder und arbeiten auch oft zusammen im Team. Dabei achten wir schon darauf, dass  wir nach demselben Konzept – dem von Petra – arbeiten. Wir wollen ja das Gleiche vermitteln – das ist mir ganz arg wichtig. Wir haben auch nach wie vor ein festes „Band“ zu Petra und sie steht uns immer beratend zur Seite.

Ich hab ziemlich schnell entdeckt, dass es mir selbst wahnsinnig viel Freude macht, wenn die Frauen so viel Freude daran haben. Ich hätt am liebsten alles hingeschmissen und nur noch das gemacht. Aber das geht natürlich nicht, denn ich arbeite in der Firma meines Mannes mit. Das war am Anfang eher sehr schwierig, also die Frage „wie mache ich denn das überhaupt?“. Ich hab mir dann im Büro Unterstützung gesucht und arbeite dort nicht mehr gar so viel. So kann ich vor allem freitags und auch mal montags auf meine Kurse gehen und habe die Möglichkeit,  unter der Woche Einzelcoachingtermine für sehr ängstliche Bikerinnen anzubieten.

Habt ihr inhaltlich am Grundkonzept von Petra was verändert?
Nein, da kann ich jetzt aber nur für mich sprechen.  Allerdings  entwickelt sich alles immer weiter. Es kommen dir ja ständig neue Ideen, was man noch machen könnte und die Petra bietet ja auch neue Seminare an, die ich persönlich sehr schön finde und aus denen ich das ein oder andere miteinfließen lasse. So gibt es im November z.B. ein Seminar „Verstehen und verstanden werden“ in dem es um Kommunikation geht.  Auch das Thema „Dankbarkeit“ kann ich gut einbinden.  Wenn ich merke, es läuft gut in einem Kurs und die Frauen sind glücklich, dann möchte ich, dass sie sich auch bewusst werden, woran das jetzt gerade liegt, dass sie jetzt so glücklich sind. Und dass man dann auch mal dankbar dafür sein kann (darf).

Ihr habt sogar ein eigenes Mut tut gut-Logo entwickelt und auch eigene Trikots anfertigen lassen. Wie ging das?
Wir haben uns einfach mal zusammengesetzt, einen Tag zusammen verbracht und unsere Ideen zusammengetragen. Da gab dann eines das andere: Die Sonja ist Mediengestalterin, ihre Freundin Designerin – sie haben das Logo und die Trikots gemeinsam für uns entwickelt. Der eine macht dieses, der andere das nächste. So ist das gewachsen und wächst hoffentlich noch weiter – vielleicht, weil wir einfach auch gut kommunizieren können.

 

Wo findet man Infos zu den Mut tut gut-Kursen, wo bewerbt ihr euer Angebot?
Wir haben eine Facebook-Seite – da findet ihr all unsere Termine. Jeder hat zusätzlich noch seine eigene Internetseite, wo er die Kurse bewirbt. Und es geht auch sehr viel über Mund-zu-Mund-Propaganda.  Meine Kurse findet man zudem noch auf der Webseite eines lokalen Radladens – und natürlich gibt es alle Kurse auch auf der Website von Petra.

Hast du eine Lieblingstechnik?
Ich fahre total auf die Atem-Techniken ab. Das finde ich etwas so Grundlegendes, mit dem ich mich auch anderweitig schon viel beschäftigt habe (z.B. im Yoga…). Damit arbeite ich immer viel in meinen Kursen. Durch eine lockere „Pferdchen“-Atmung etwa sagst du deinem Körper „es ist alles in Ordnung“  – und dadurch kann sich die verkrampfte Muskulatur entspannen… Durch den Fokus auf die Atmung denkt man zudem einfach auch nicht an die Angst. Manchmal braucht es schon ein wenig Selbstbewusstsein, laut schnaubend den Trail hinab zu fahren – das ist auch nicht jedermanns Sache. Aber die Frauen merken schnell, dass es funktioniert.

Würdest du sagen, „Mentales Training“ ist ein Trendthema? Wie erlebst du die Nachfrage?
Wenn du dich mit einem Thema sehr beschäftigst, fällt dir natürlich auf, wer dieses ebenso tut. Trends vergehen für mich aber auch ebenso schnell wieder wie sie kommen.  Dass man Mentales Training  daher „nur“ als Trend bezeichnen kann, glaube ich nicht. Mentaltraining im Sport gibt es schon lange.
Bei uns war die Nachfrage am Anfang gar nicht so arg groß, aber nach und nach kamen die Anfragen – gerade auch durch die Facebook-Seite und über Petras Seite. Über die ganze Bikesaison hatte ich jetzt schon einige Kurse – und es werden immer mehr. Gerade die Spitzkehrenkurse möchte ich weiter ausbauen, weil ich da das perfekte Lerngelände hier habe in dem man von Tag zu Tag und Stück für Stück in schwierigerem Gelände perfekt üben kann. Ich arbeite mit maximal 4 Teilnehmern (pro Coach). Ich finde es Ideal, die Kurse zu zweit zu machen, denn sollte eine Teilnehmerin komplett blockieren, kann sich eine von uns dann ganz gezielt um diese kümmern. Das klappt sehr gut.
Ich führe auch jeden ausgeschriebenen Kurs durch – selbst wenn es nur 2 Teilnehmerinnen sind.  Das ist natürlich für die Teilnehmer schon ein super Luxus, bei dem sie viel profitieren (aber auch anstrengend ;-)). Ich verspreche mir da einfach ein gutes Feedback und eine gute Mund zu Mund Propaganda. Es kommt auch vor,  dass Teilnehmerinnen meiner Kurse mit  3, 4 Freundinnen wiederkommen und manche machen einen eigenen Kurs oder auch einen speziellen Tag. Das ist toll.

Bietet ihr „Mut tut gut“ nur für Frauen an?
Ja, die Mut tut gut-Kurse bieten wir nur für Frauen an. Einzeltrainings gibt es auch für den Mann. Seit dieser Saison haben wir begonnen, mit Partnerprogrammen zu arbeiten – also einem Alternativprogramm für mitreisende Männer. Da ist sehr viel Potential, denn Paare wollen einfach gerne gemeinsam kommen und da ist es schade, wenn du einen reinen Frauenkurs anbietest und dem Mann keine Alternative.
Es gibt auch Männer, die sich für das Programm selbst interessieren.  Einige von uns Trainern bieten von daher auch gemischte Kurse an, in denen es um die mentalen Techniken geht – die laufen dann aber nicht unter dem „Mut tut gut“-Titel.  Wir selbst haben im Trainerteam ja auch einen Mann, der Mut tut gut-Kurse anbietet, weil er das Thema so spannend findet.

Ist „Angst beim Biken“ denn ein spezielles Frauenthema?
Also die mentalen Techniken helfen nicht nur Frauen und auch nicht nur beim Biken. Aber Blockaden und Angst beim Biken, das sind tatsächlich aus meiner Erfahrung heraus eher Frauenthemen. Männer sprechen da im Normalfall auch nicht gerne über ihre Ängste vielleicht mit dir als Trainer alleine mal und sie sind dann auch froh, wenn du mit ihnen alleine übst, aber nicht in der Gruppe.

Auch bei den Damen sind die Ursachen vielfältig:  Viele Bikerinnen möchten gerne mit ihren Männern biken gehen und überfordern sich dabei. Womöglich bikt der Mann gut und schon lange… wenn es dann mal ans „Eingemachte“ geht, dann tun sich Paare oft schwer in der Kommunikation. Es ist für Frauen dann oft fatal, und leider wird es ihnen das eigentliche Hobby zum Teil so richtig verdorben. Es soll tatsächlich Männer geben, die Sprüche machen wie: „Schalt’s Hirn aus – lass laufen“! Ich kenne keine Frauen, bei denen das funktioniert und ich persönlich bin da auch echt froh drüber, denn das wäre ja wirklich gefährlich. Ich glaube im Übrigen auch nicht, dass diese Männer ihr Hirn ausschalten. Sie profitieren viel eher von jahrelanger Übung, Testosteron und ihrem Selbstbewusstsein.
Im Übrigen kommen oft auch „Frauen mitten aus dem Leben“, sprich in meinem Alter oder noch älter, sie haben Familie oder einen guten Job und sagen ganz bewusst: „Ich möchte (darf!) mich nicht verletzen. Ich hab so viel anderes in meinem Leben, wo ich gebraucht werde, ich muss da einfach vorsichtig sein.“ Diesen Frauen rate ich tatsächlich zu einer Frauengruppe, um  weiterhin Spaß am Biken zu haben – auch wenn ich natürlich nicht sage „schieß deinen Mann auf den Mond“ (auch wenn man das manchmal möchte ;-)).
Ein Thema sind tatsächlich auch Paarkurse, in denen ich den Männern näher bringen möchte, wie die Frauen ticken und wie sie ihnen helfen können ohne sie zu überfordern. Mal sehen…

Selbstverständlich gibt es auch eine Menge Paare, die hervorragend miteinander biken können, sich gegenseitig unterstützen und gemeinsam jede Menge Spaß haben. Kein Stress – keine Arbeit für uns!

 

Was sind die Hauptanliegen, mit denen die Frauen zu dir kommen?
Blockaden, z.B. nach einem Sturz oder einer Verletzung . Es kommen aber auch Anfängerinnen, die mit dem Biken gerade erst angefangen habe und es super finden, von Beginn an Fahrtechnik und mentale Techniken zu kombinieren. Das finde ich sehr cool. Die sind dann auch gar nicht speziell ängstlich. Es geht ja auch nie nur um mentale Techniken – ich bringe immer auch Fahrtechnik mit ein.

Gutes Stichwort: Fahrtechnik – (wie) verträgt sich das bei dir mit dem „Mut tut gut“-Konzept? Sind das zwei getrennte Themen, oder …?
Mentale Techniken und Fahrtechnik – das ist EIN großes Konglomerat, von dem die Frauen sehr profitieren können. Ich persönlich kann das nicht trennen – und kann das auch nicht getrennt unterrichten. Das wäre für mich unmöglich, das eine geht nicht ohne das andere.  Zum Beispiel bei Gleichgewichtsübungen: Beim Balancieren kann man „wunderbar“ die Luft anhalten – da fangen wir gleich an zu üben und es heißt: „Jetzt wird mal geschnauft“. Mir ist es schon wichtig, dass ich beide Ausbildungen hab – den Fachübungsleiter MTB und den Mental Coach – und das entsprechende Wissen, es ergänzt sich sehr gut und ich benötige beides.
Allerdings geh ich nicht dogmatisch an das Thema Fahrtechnik heran. Es gibt einfach verschiedene Ansätze und wenn jemand mit einer andere Technik kommt, dann sag ich immer: Probier‘ beides aus. ICH lehr es so aus dem und dem Grund so und wenn du sagst „mir passt die andere Fahrtechnik aus diesem und jenem Grund besser“ und du kannst damit umgehen, dann werde ich die Letzte sein, die sagt: mach das nicht so. Es gibt da für mich keine starren Regeln, das halte ich für Quatsch und da bin ich auch ein wenig empfindlich wenn es heißt: das muss so oder so sein. Ich finde, wir Trainer müssen immer über den Tellerrand schauen, denn es gibt meist nicht nur einen goldenen Weg.

Wie oft ist die Ausrüstung ein Thema in deinen Kursen?
Sehr oft! „Klickies“ oder Flat-Pedals sind z.B. ein Thema. Oder alte Bikes an denen nix mehr funktioniert. Aber es ändert sich zunehmend und die Frauen sind zum Teil sehr gut ausgestattet. Die Fraktion, die die ablegten Bikes ihrer Männer fährt, stirbt langsam aus, denke ich. Die Frauen merken inzwischen sehr schnell: das taugt nix und kaufen sich dann ein eigenes auf sie zugeschnittenes Bike. Das ist auch so ein Selbstbewusstseins- oder Emanzipations-Thema: das Recht auf ein „gescheites“  Rad. Ich sag manchmal, mach‘s mal anders herum: Kauf dir ein neues Bike und gib deinem Mann dein altes …

Welches Bike fährst du selbst (am liebsten) – in welchem Setup?
Zurzeit fahre ich am liebsten meine neueste Errungenschaft, bin quasi frisch verliebt…in mein Alutech Teibun. Das Setup passt…grins…mehr kann ich dazu nicht sagen. Daneben hab ich noch ein Cube Stereo  – das ist Dank 3-fach Übersetzung perfekt für die langen Touren, z.B. die Alpencross‘.

Wie baust du deine Mut tut gut-Kurse auf?
Ich oder wir suche(n) einen schönen Platz, wo wir das Wohnmobil hinstellen und am Anfang Theorie machen können. Sollte das Wetter nicht mitspielen, habe ich die Möglichkeit, zuhause unser Büro zu nutzen. Maximal 1 Stunde, wir wollen ja ins Tun kommen. In den Pausen machen wir Picknick am Wohnmobil  oder kehren ein– und da gibt es dann nochmal Theorie. So verbinden wir das miteinander.  Alles muss ja nicht gleich zu Beginn besprochen werden, aber einige grundlegende Inhalte halt dann doch.
Wertvoll ist auch die Vorstellungsrunde zu Beginn. Für die Frauen ist es wichtig, zu sehen: ich bin nicht alleine, wir haben alle ähnliche Probleme und Themen, wir können super hier miteinander üben und diesen Kurs machen. Und ich komme dann oft später im Kurs nochmal auf die einzelnen Themen zurück.
Im Anschluss an die Theorieeinheit üben und wiederholen wir wichtige fahrtechnische Dinge wie Balance, Körperhaltung, Blickführung, Kurven, Bremsen, richtig Absteigen, etc.,  manchmal auf einem geeigneten Platz, manchmal direkt im Gelände. Weitere Übungen finden direkt auf Tour und im Trail an geeigneten Schlüsselstellen statt.

 

Hast du dich auf Kurse mit 2 und 3 „Mut-Sternchen“ spezialisiert?
Nein, ich habe auch sehr viel Freude an Kursen mit mehr „Mut-Sternchen“. In Davos, da sind es z.B. deutlich mehr J. Am Anfang hat sich das einfach so ergeben durch meine Kooperation mit Elke (Röhrig-Schneider), die ganz bewusst sagt, sie macht vorerst nur 2 und 3 Mut-Sternchen-Kurse. Sie fährt selbst noch gar nicht so lange und ist somit die ideale Partnerin für diese Kurse. Denn sie kann sich viel besser vorstellen als ich, womit die Frauen Probleme haben, z.B. mit einer kleinen Wurzel. Dieser andere Blickwinkel tut mir so gut. Sie profitiert dagegen von meiner Fahrtechnik. Wir ergänzen uns gut und so macht die Zusammenarbeit dann echt Spaß.

Was ist dein eigener „Mut-Sternchen-Faktor“? Und wo sind deine Grenzen?
Wunschfaktor: Hundert! ;-). Ich sage immer: „Mut-Sternchen“ kann man ganz ganz viele haben und brauchen!
Ich muss immer sehr viel schnaufen und mich fokussieren, wenn die Wege arg schmal und absturzgefährdet  werden. Da bekomme ich das Flattern schon auch mal, gerade im hochalpinen Gelände. Aber ich habe in dieser Beziehung auch schon sehr viel gelernt und übe selbstverständlich mit den gleichen Techniken.  Wir Trainer unterstützen uns auch gegenseitig mal – vor allem fahrtechnisch.

Wie anstrengend ist so ein Mut tut gut-Kurs für dich als Trainer – körperlich, mental?
Körperlich finde ich es nicht so schlimm; natürlich benötigt man Kraft bei der Hilfestellung, aber ich bin ja keine Elfe, ich kann schon zupacken.
Doch mental ist es sehr anstrengend! Dieses dauernde präsent sein,  schauen und Tipps geben.  Die Frauen kommen, damit sie Spaß am Biken finden und haben – das sehe ich schon ein Stück weit als meine Verantwortung und ist  das ist es ja auch das, was mir am Herzen liegt. Es kann schon auch mal stressen, wenn du z.B. eine Blockadesituation einer Einzelperson in der Gruppe nicht lösen kannst.  Dann biete ich derjenigen aber in der Regel ein separates Einzelcoaching an. Nach einem langen, intensiven Kurs kann es schon sein, dass ich fix und alle bin.

Wenn du zurückblickst auf deine erste „Mut tut gut-Saison“. Was empfindest du als größten Erfolg?
Wenn die Frauen so glücklich und begeistert nach Hause gehen … und  mir später Rückmeldung geben, dass es funktioniert und es richtig war, diesen Kurs zu besuchen. Oder wenn sie wieder kommen. Einfach dieses Feedback der Freude und die positive Resonanz – das ist das, was mir am meisten gegeben hat in dieser Saison.
Was ich auch so toll finde: Die Frauen unterstützen sich wunderbar gegenseitig. Es wird gelobt, geklatscht, getröstet – da geht mir persönlich das Herz auf.

Wird sich 2017 etwas ändern?
Vorausgesetzt wir bekommen es zeitlich hin, wird es noch mehr Kurse geben,  in jedem Fall noch mehr Spitzkehrenkurse, wie schon erwähnt. Zudem möchten wir die Kurse an noch mehr verschiedenen Orten anbieten und  in Davos gerne auch gleich zwei.
Und aus dem Ergebnis einer Umfrage im Frühjahr möchten wir unser Angebot noch mehr spezialisieren und ausbauen.  Es lohnt sich also, immer mal wieder bei uns rein zu schauen ;-).

img_3843Ist „Mut tut gut“ Beruf oder Hobby für dich?
Vielleicht ist es ein wenig hochtrabend, wenn ich sage: Es ist ein bisserl „Berufung“. Aber das ist es tatsächlich. Schön wäre, wenn ich knapp halb halb im Büro arbeite und Kurse anbiete. Ich habe lange als Krankenschwester gearbeitet, auch noch eine kaufmännische Ausbildung gemacht.  Weiterbildung ist, wie gesagt, ein ganz wichtiges Thema für mich, aber alles parallel geht halt dann auch nicht.  Ich hab aber schon immer gewusst: Wenn meine Kinder mal groß sind, mache ich nochmal ganz was anderes – was für mich ganz persönlich. Und das habe ich jetzt mit „Mut tut gut“ gefunden.

Welchen Rat möchtest du anderen Bikerinnen noch mit auf den Weg geben?
Sucht und macht euer Ding und lasst euch dabei nicht verunsichern!  Genießt euren Sport!

Und zum Schluss noch: Wie gefällt dir GIRLSRIDETOO.DE?
Tatsächlich ist es die einzige Seite von Bikerinnen für Bikerinnen, die ich kenne, grins …wenn ich mich also mal im Netz inspirieren lassen möchte schau ich auf jeden Fall bei euch vorbei, besonders gut gefällt mir die Kategorie Reisen, Camps und Touren.
Einen kleine Anregung habe ich: Ich meine mich zu erinnern, dass es auf der alten Seite es eine Art Kalender gab, wo man eigene Termine listen konnte. Das wäre natürlich toll für unsere MUT TUT GUT! Kurse. Auf der neuen Seite habe ich einen solchen Kalender allerdings noch nicht entdecken können, lasse mich aber gerne eines Besseren belehren… Das neue Layout finde ich schön –  übersichtlich, strukturiert und klar.

Website Barbara:  http://www.mtb-fahrspass.de/

Fotos: Anke Schweiger, Marco Quandt, Hermann Daniel und Zena Varga

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