GRT_Nora_Engels

Man möchte fast schon schreiben: Bei dieser Monatsfrau ist der Name Programm. Denn sieht und hört man Nora Engels in der wunderschönen Engadiner Berglandschaft auf dem Alphorn spielen, wirkt diese Kombi durchaus ein wenig himmlisch entrückt. Doch so romantisch das Ensemble und so zart wirkend dessen Protagonistin –  so tough Nora im Alltag an: Als Möbelschreinerin, Alphornbauerin und Künsterlin auf der einen, wie auch als Multisport-Talent auf der anderen Seite. Ihre Liebe zum Holz und ihre Gabe, daraus ganz besonderes Werke zu schaffen, hat die Schweizerin mit in die Wiege gelegt bekommen – genauso wir ihre Liebe zum Bergsport. Und tatsächlich vereint für Nora ein gemeinsamer Spirit beide Welten ….

Nora, wie bist du zum Mountainbiken gekommen
Ich bin „polisportiv“ aufgewachsen und schon als Kind mit der ganzen Familie Biken gegangen. Mein ältester Bruder begann mit Downhill-Biken und ich wenige Jahre später auch. Ich habe da meine Freude an diesem Sport entdeckt, gleich darauf dann auch meine zwei jüngeren Brüder. Von da an gingen wir öfters zusammen nach Livigno in de Bike-Park Mottolino oder auf sonstige Biketouren.

Was ist für dich das Schönste am Biken, das Besondere im Vergleich zu anderen Sportarten?
Das Schönste an dieser Sportart ist die Vielseitigkeit. Das Biken ist eine Ausdauersportart, ich kann mir meine Grenzen selbst auswählen, ob sehr technisch, gemütlich, ruppig, flowig, viele Höhenmeter, mit oder ohne Bahn. Man entdeckt immer neue Ortschaften, findet neue Trails und ist in der schönen Natur. Biken kann ich mit Kollegen, der Familie oder alleine und habe immer Spaß.

Was war dein schönstes Bike-Erlebnis?
Ich habe mit dem Bike bereits so viele schöne Momente erlebt, ich kann gar nicht sagen, welches das schönste war. Mit am Schönsten ist es für mich, mit meiner Familie unterwegs zu sein, einander zu motivieren, herausfordern und zu genießen.
Und dein schlimmstes?
Schlimme Erlebnisse sind Stürze, auch wenn die zum Teil dazugehören (so lange man keine gravierende Folgen davon trägt). Ich hatte meine zwei schlimmsten Stürze in Livigno im Bikepark. Zu viel riskiert.

Welches Bike fährst du (am liebsten) – in welchem Setup?
Uff.. ich habe noch nicht sehr viele Bikes getestet. Ich fahre ein Merida One Forty 2B. Da ich zurzeit im „Bernina Sport“ arbeite, bekomme ich auf Merida gute Konditionen. Diese Marke liegt mir und ist mir vertraut, daher möchte ich mich auch nicht um ein anderes Bike kümmern. Auch betreibe ich fast zu viele andere Sportarten, sprich: Rennvelo, Gleitschirm, Snowboarden, Skitouren, Inlineskating, Langlaufen, somit fehlt mir die finanzielle Grundlage, mich um ein Traumbike zu kümmern. 😉

Was sind deine 3 Lieblingsprodukte rund ums Biken?
Ich habe keine Lieblingsprodukte, habe aber Freude an möglichst farbigen Kleidern. So richtig farbig bekleidete Biker/innen in der Natur finde ich so schön.

 

Du bist nicht nur Bike-Guide und Langlauflehrerin, sondern vor allem Möbelschreinerin, baust Alphörner und schaffst wunderschöne Holzskulpturen – woher diese starke Affinität zum Holz?
Bereits als kleines Mädchen war ich sehr gerne in der Natur, bewunderte ihre Farben und vor allem die Bäume. Dass Möbel aus einem Baumstamm gemacht werden können, konnte ich kaum glauben. Mein Vater hat früher Holzskulpturen gemacht. Ich wollte, als ich 12 Jahre jung war, dass er mir es beibringt. Wir gingen zusammen Wurzeln suchen, haben dies dann zusammen bearbeitet und zu einer gemeinsamen Skulptur gemacht. Die Holzstruktur und die verschiedenen Farben faszinierten mich sehr.

Wie bist du zum Alphorn gekommen? Sowohl das Spielen, vor allem aber auch das Schreinern dieser Instrumente ist ja auch in der Schweiz eher eine Seltenheit, oder?
Ich habe eines Tages das Alphorn gehört, natürlich in der Natur. Mich haben die Naturtöne so berührt, dass ich dieses Instrument auch lernen musste. Ich habe mich mit diesem Instrument oft befasst und mir Gedanken darüber gemacht, wie so ein Instrument gemacht wird. Später erfuhr ich, dass ein Alphornbauer Baukurse anbietet. Ich habe bei ihm nun fünf Alphörner gemacht. Das erste normal aus Haselfichte und die anderen vier, ganz speziell, aus Arvenholz. Die Arve ist für mich ein speziell schönes Holz mit viel Charakter. Alphörner werden in der Regel nicht komplett daraus gefertigt, wegen der vielen Ästen. Doch ich wollte es ausprobieren. Ich hab mir Arvenholz aus dem Engadin besorgt und schlichte und edle Alphörner gebaut. Diese waren erstaunlich klar und schön im Klang.

Welches spezielle Wissen braucht man, um Alphörner zu bauen? Und wo lernt man das?
Es gibt einige Sachen, die man wissen muss. Je genauer und präziser die Arbeit, umso klarer und schöner der Ton. Der Umgang mit diversen stationären und Kleinmaschinen. Die Holzarten muss man kennen und auch das richtige dafür verwenden. Z.B soll das Handrohr aus feinjährigem Holz sein. Es gibt vieles, was man wissen muss. Als Schreinerin habe ich natürlich einen großen Vorteil.

Ich hab bisher nur Männer mit Alphörnern gesehen – ist das traditionell eine echte Männerdomäne oder gibt es außer dir noch andere Frauen, die Alphörner bauen oder Alphorn spielen?
Nein, in der Schweiz spielen ganz viele Frauen dieses Instrument. Früher brauchten es vor allem die Bauern um von Alp zu Alp zu kommunizieren, die Kühe zu beruhigen und anzulocken etc. Das Alphorn ist wie der Käse und die Toblerone ein Wahrzeichen der Schweiz. Deshalb wird dieses Instrument meistens auch in der Tracht gespielt. Natürlich können mit dem Alphorn auch ganz „schräge“ Stücke gespielt werden. Moderne Lieder oder Jazz hört man immer öfters.
Eine andere Frau die Alphörner für den Verkauf baut kenne ich allerdings nicht. Es haben viele Frauen einen Alphornbaukurs besucht und ihr eigenes Alphorn gebaut. Aber ob es eine offizielle Alphornbauerin gibt, weis ich nicht.

Du sammelst besondere Baumwurzeln, in denen du eine „versteckte Form“ erkennen kannst, welche du dann als Skulptur herausarbeitest. Wow! Wie kommt man auf so etwas? Ist das eine Fertigkeit, oder eher eine (angeborene) Fähigkeit, was denkst du?
Ich habe sicherlich mit meinem erlernten Beruf das Knowhow übers Holz, Werkzeuge und das anwenden. Die Kreativität und das Auge dazu habe ich von meinen Eltern geerbt 🙂 Sie sind beide sehr kreativ.

Erzähl mal, wie gehst du dabei vor, wie können wir uns das vorstellen? Wie lange arbeitest du im Schnitt an so einem Kunstwerk?
Ich suche mir Baumwurzeln die mich ansprechen, im Wald oder im Bachbett. Mit der Motorsäge bearbeite ich diese grob und entferne was mir daran nicht passt. Dann bearbeite ich die Wurzel mit diversen Werkzeugen wie Hobel, Stecheisen in allen Varianten, Raspel etc., bis die Formen und die Linien von allen Seiten betrachtet stimmen. Dann schleif ich sie (einige Stellen bleiben auch unverarbeitet) zuerst grobkörnig und nachfolgend mit immer mit feinerem Schleifpapier, bis keine Schleifspuren mehr sichtbar sind. Zum Schluss öle ich die Skulptur, damit die Struktur und Farbe noch extremer zur Geltung kommen. Ich suche dann noch einen passenden Sockel dafür aus, einige aus Metall andere aus Holz.

Wie viel von dir als Person steckt am Ende in einer Holzskulptur von dir?
Natürlich sehr viel …

Wie sehr hängst du an den fertigen Werken? Fällt es dir leicht, sie zu verkaufen?
Ich hänge sehr an meinen fertigen Werken. Vor allem wenn sie mir besonders gefallen. Leicht fallt es mir nicht sie zu verkaufen. Aber trotzdem habe ich jedes Mal große Freude, wenn ich dem Käufer eine Freude damit machen kann und dieser meine Arbeiten schätzt und weiß, was alles darin steckt.

Gibt es für dich einen Zusammenhang zwischen deinen sportlichen Aktivitäten und deiner Arbeit als Schreinerin und Künstlerin? Oder spiegeln diese unterschiedlichen Tätigkeiten einfach ganz verschiedene Seiten von dir wieder?
Ja, ich kann sowohl im Sport auch als bei einigen Arbeiten mit Holz einfach abschalten und genießen, Freude daran haben und mich nur auf dieses konzentrieren. Beim Sport und auch beim Erarbeiten einer Skulptur oder eines Möbels brauche ich Ausdauer, Konzentration, Kreativität…

Wie sind die Reaktionen deiner Umwelt auf das, was du tust: Erlebst du eher Skepsis oder Bewunderung oder …?
Die meisten bewundern mich oder das, was ich mache. Weil diese Aktivitäten nicht typisch Frau sind.

Genau, beim Handwerk wie beim Biken sind Frauen nach wie vor deutlich in der Minderheit. Was meinst du, warum ist das wohl so?
Beim Handwerk kommt das natürlich von früher. Die Männer haben gearbeitet und die Frauen gekocht und die Kinder groß gezogen. Auch weil es im Handwerk einige schwere Lasten zum Aufheben hat und für gewissen Arbeiten viel Kraft braucht die die Frauen nicht bringen können. Auch beim Biken denke ich ist es nicht viel anders. Es sind Männer die das Bike entwickelt haben und auch die ersten die MTB gefahren sind. Deshalb ist das Biken nicht typisch Frau. Auch braucht es Mut, Kraft, Ausdauer, Überwindung etc. was nicht jederfraus Sache ist…. 😉

Kannst du etwas von deinen Schreinerinnen Kenntnissen aufs MTB übertragen – oder auch umgekehrt?
Ja natürlich das Technische am Bike. Ich habe im Beruf gelernt mit Maschinen umzugehen und alle Materialien kennengelernt. Die diversen Teile am Bike sind mir daher nicht fremd, ich weis wie sie funktionieren und habe daher z.B. einfacher gelernt eine Schaltung gut einzustellen und diverse Sachen zu reparieren.

Wie transportiert man eigentlich so ein Alphorn. Kann es man es z.B. auseinander nehmen und im Rucksack mit auf Tour nehmen?
Die meisten heutigen Alphörner sind in drei Teilen zerlegbar: In ein Handrohr, Mittelrohr und den Becher. Dafür gibt es spezielle Alphornrucksäcke. Es ist nicht ganz so bequem, aber es geht gut, das Alphorn auf einen Berg zu tragen. Besser dafür sind aber die Carbon- Alphörner die in ca. acht Teile zerlegbar sind und nur noch etwa 70 cm messen.

Alphörner aus Carbon? Das klingt für mich nach zwei Welten, die nicht so ganz zusammen passen. Wie stehst du persönlich dazu?
Das Carbon Alphorn finde ich eine geniale Sache deswegen, weil es so leicht ist und man es einfach auf Hochtouren mitnehmen oder auch im Flieger transportieren kann. Ich war von zwei Jahren in Wisthler und habe das Bike und ein Carbonalphorn mitgenommen und dies ging super. Natürlich ist der Klang nicht derselbe wie bei einem Alphorn aus Holz. Aber er ist erstaunlich gut.

Du bist mit deiner Arbeit und deinem Instrument sehr natur- aber auch kulturverbunden. Wie schätzt du das Interesse an Natur und Kultur bei Bikern/innen allgemein ein?
Alle BikerInnen sind naturverbunden und haben Freude an Landschaften, Bergwelten etc. Ich habe noch nie erlebt, dass ein Biker wütend ist oder schlecht gelaunt. Das ist, weil die Natur so gut tut, man sich erholen und auftanken kann. Es macht einfach Freude, Sport in der Natur zu betreiben. Wenn ich eine Biketour in einem neuen Gebiet mache, informiere ich mich auch über die Gegend und die Dörfchen. Und ich glaube, dies machen einige die auf Biketouren gehen.

Welchen Rat möchtest du anderen Bikerinnen noch mit auf den Weg geben?
Viele Frauen haben das Problem im Kopf, sie überlegen zu viel und haben Angst. Ich habe schon viele Kolleginnen mit in ein Downhill-Park genommen, wo sie Fullfacehelm, Rückenprotektor, Knieschoner etc. anhaben. Frau getraut sich so viel mehr und merkt, dass es gar nicht so schlimm ist und gewinnt so an Vertrauen ins Bike und in sich selbst. Viele Kolleginnen fahren seitdem viel besser und technisch anspruchsvoller Bike und haben nun Freude daran.

Wie gefällt dir GIRLSRIDETOO.DE
GIRLSRIDETOO.DE finde ich sehr sympathisch. Ich finde es genial, was ihr alles anbietet. GIRLSRIDETOO.DE ist perfekte für die Frauen, die das Biken entdecken möchten oder weiterkommen möchten. Super sympathisch und mit viel Freude und Elan dahinter.

Liebe Nora, vielen Dank für das Interview!

PS: Hier gibt’s noch ein nettes Video mit Nora: https://vimeo.com/114885826

Man möchte fast schon schreiben: Bei dieser Monatsfrau ist der Name Programm. Denn sieht und hört man Nora Engels in der wunderschönen Engadiner Berglandschaft auf dem Alphorn spielen, wirkt diese Kombi durchaus ein wenig himmlisch entrückt. Doch so romantisch das Ensemble und so zart wirkend dessen Protagonistin –  so tough Nora im Alltag an: Als Möbelschreinerin, Alphornbauerin und Künsterlin auf der einen, wie auch als Multisport-Talent auf der anderen Seite. Ihre Liebe zum Holz und ihre Gabe, daraus ganz besonderes Werke zu schaffen, hat die Schweizerin mit in die Wiege gelegt bekommen – genauso wir ihre Liebe zum Bergsport. Und tatsächlich…

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