Jule-Schwarz_Portrait

Jule Schwarz (Foto: Mani Wollner)

Ihr witzigen Zeichnungen machen seit kurzem jede Ausgabe der «world of MTB» noch ein Stückchen bunter. Wir möchten euch heute vorstellen, wer hinter den wunderbar pointierten „Kritzeleien“ steckt. Tatarataa: Vorhang auf für Jule Schwarz – ein lebenslustiges Energiebündel mit gepflegter „Pott-Schnauze“, ihres Zeichens Radsport-vernarrte Bloggerin. Ihr Online-Tagebuch „Jule radelt“ ist ein buntes Sammelsurium an Amüsanten und Unterhaltsamem rund ums Fahrradfahren. Im Fokus steht dabei der Spaß, vor allem aber auch um das Thema Motivation – und Jule wird nicht müde, sich hier stets neue Aktionen auszudenken.
Durch ihren Blog hat sich für die ausgebildete Mediengestalterin, die im „ernsten Leben“ für «Royalbikewear» individuelle Radbekleidung für Teams und Vereine designt, viel verändert – innerlich wie äußerlich…

Jule, wie bist du zum Mountainbiken gekommen?
Also eigentlich war das zweistufig. Im Trennungsschmerz hab ich mich auf mein damaliges Fahrrad geschwungen um mir etwas Luft zu machen und fuhr recht häufig zum nahegelegenen Baldeneysee. Da hatte ich mit Sport noch gar nichts am Hut. Dabei sah ich diese ganzen Rennradfahrer und war begeistert über diese eleganten, schwebenden und scheinbar unangestrengten und doch schnellen Menschen. Da wollte ich auch dazu gehören und kaufte mir aus sämtlichem Ersparten mein erstes richtiges Sportgerät. Da habe ich erstmal die Erkenntnis gewonnen, dass das alles gar nicht so unanstrengend war, wie es aussah, aber ich fand es ziemlich geil.

Ich bin auch sofort in einen Verein, hab mir ne Lizenz besorgt und diese auch gleich zu Rennen geschleppt. Der Einstieg war also auf schmalen Pellen, aber das MTB ließ nicht lang auf sich warten. Der Radladen, wo ich den Renner kaufte und ich nun Dauerkunde war, suchte eine Frau für sein Mix-Team beim 24h Rennen in Duisburg. Ich wollte unbedingt und so bastelte ich mir über Ebay ein MTB zusammen. Ein Hardtail. Ca. 14 Kilo leicht 😀

Zum Üben und Trainieren fuhr ich dann meinen ersten MTB Marathon und wieder war es um mich geschehen. Das war eine Welt in der ich mich zuhause fühlte. Da gehörte ich hin. Da geh ich nicht mehr weg!

Was ist für dich das Schönste am Biken, das Besondere im Vergleich zu anderen Sportarten?
Ich finde, das Schöne daran ist die Flexibilität und die damit verbundene Freiheit. Ähnlich wie beim Laufsport brauche ich keinen Partner. Ich muss auch in keine Halle. Ich kann das Rad überall auspacken, alleine aber auch in der Gruppe Spaß haben und der Bewegungsradius ist richtig schön groß. Man kommt gut rum, auch an Orte, an die man so gar nicht gelangen würde. Jede Ausfahrt ist eine Entdeckungsreise, wenn man es zulässt.

Was war dein schönstes Bike-Erlebnis? Und dein schlimmstes?
So pauschal kann ich das gar nicht beantworten, weil es soooo viele Bikeerlebnisse gibt die unvergessen schön sind. Anders herum gibt es natürlich auch schlimme Erfahrungen, die sich ins Hirn gebrannt haben. In erster Linie sind das, wahrscheinlich wie bei vielen, Stürze mit Verletzungen oder Krankheiten die einen wochenlang außer Gefecht setzen. Brüche, gerissene Bänder, fiese Prellungen. Gehört aber alles dazu und am Ende ist der Schmerz meist schneller vergessen als vermutet, man ist froh, dass alles wieder heile ist und man sich wieder neuen Gefahren aussetzen kann. 😀

Eine meiner schönsten Erfahrungen war die Teilnahme an der Marathon DM in Singen 2013, bei der ich nach wenigen Kilometern aussteigen musste, weil ich in der Vorwoche krank geworden war und am Tag zuvor die letzte Pille Antibiotika einwerfen musste. Da fragt man sich, was daran denn schön ist, wenn man so lange auf ein Ziel hintrainiert, es zum Greifen nah ist und dann krank wird. Es war mein großer Traum, einmal bei der DM an den Start zu gehen, teilzunehmen und anzukommen und darum habe ich den langen Weg auch trotzdem auf mich genommen. Ich hatte so lange darauf hingefiebert und wollte einfach dabei sein. Ich wusste, dass es ein Schuss in den Ofen werden würde bzw. weit unter meinen Erwartungen bleiben würde, aber als ich da im Startblock stand, mit all den Mädels, Vorbildern, die ich nur aus den Medien kannte – da war ich gefühlt 100 Meter groß und stolz als hätte ich den Friedensnobelpreis für mein Lebenswerk verliehen bekommen. Nur für diesen Wahnsinnsmoment hat sich das alles gelohnt. Die Geschichte dazu habe ich im Blog in epischer Breite niedergeschrieben und lese sie immer wieder sehr gerne. Eine tolle Erinnerung.

[Fotos: Mani Wollner, Sportograf, privat]

Welches Bike fährst du (am liebsten) – in welchem Setup?
Das ist eine schwierige Frage. Ich fahre alle meine Räder sehr gerne und das sind mittlerweile … … einige :-D. Vom Klappi bis zur Rennmaschine ist alles dabei. Ich habe da kein Lieblings-Setup – alles ist ständig im Wandel. Funktionieren muss es, das ist wichtig!

Was sind deine 3 Lieblingsprodukte rund ums Biken?

  1. Socken! Ich liebe Socken! Besonders bunte und außergewöhnliche Socken – allerdings sollten sie auch zum Restoutfit passen. Socken bekommen meiner Meinung nach viel zu wenig Aufmerksamkeit, dafür das die kleinen Dinger so viel Freude machen können!
  2. Mützen! Ich liebe Mützen! Also nicht nur die vom Pudel mit nem Bommel, sondern auch die Unterzieher, die classischen Cyclingcaps. Schade, dass man nur einen Kopf hat! Mein Freund ist übrigens auch ein Mützenfreak, wir haben also viele Mützen und die auch noch doppelt :-D!
  3. Licht! Ich liebe Licht! Buntes Licht! Im letzten Herbst habe ich sie bei einer Critical Mass hier in Essen entdeckt: Speichenlichter! Mittlerweile gleicht mein Stadthobel einer fahrenden Disco, aber übersehen werde ich garantiert nicht mehr! Die Lichter gibt es in allen Farben und Formen – sogar welche die Muster durch die Rotation erzeugen. Ich wünschte ich könnte mir selbst beim Fahren zusehen 😀

Erzähl mal: Warum und für wen bloggst du? Und wie entstand dein Blog „Jule radelt“ eigentlich?
Der Blog hatte seine Geburtsstunde eigentlich kurz nachdem ich meine Liebe zum Zweirad entdeckt habe. Zunächst war es tatsächlich nur eine Art Tagebuch für mich, um festzuhalten auf welchen Rennradrennen ich mich so rumtreibe und wie es so luppt. Dieser ganze Rad- und Sportzirkus war etwas ganz Neues für mich und das wollte ich irgendwie festhalten. Ich mag Erinnerungen sammeln! Die Berichte zu Beginn waren sehr nüchtern, eigentlich so wie ich und mein Charakter. Wo war das Rennen, wie viele Runden, wie habe ich abgeschnitten. Der Blog war auch für die Öffentlichkeit gar nicht sichtbar. Ich hatte Angst, dass man glauben könnte, ich würde mir einbilden, dass ich eine eigene Webseite brauche, um mich zu präsentieren und wichtig zu machen, bloß weil ich ne Lizenz habe und Eliterennen fahre. Zumal ich natürlich auch zu Beginn froh war, wenn ich überhaupt mal ein Rennen beenden konnte. Ich war da total schüchtern.

Irgendwann fand ich richtig Spaß am Schreiben und wollte meine Berichte nen bissken mehr zum Funkeln bringen. Ich begann noch weniger über mich und viel mehr über die Veranstaltungen und das Bling-Bling drum herum zu erzählen, damit ich zum einen meine Erfahrungen teilen konnte und zum anderen ein Mehrwert für den Leser entsteht. Lange habe ich den Blog dann im Verborgenen schlummern lassen, aber habe dann doch irgendwann den Mut gefunden ihn öffentlich zu machen. In meinem privaten Facebookprofil fing ich an die Links zu den Geschichten zu teilen, die Leserschaft wuchs und mein Selbstbewusstsein mit ihr, denn ich bekam positive Rückmeldungen und das ermutigte mich sehr weiterzumachen. Der Blog wuchs und wuchs und ich mit ihm. Allerdings „leider“ nur innerlich :-D.

An der Entwicklung des Blogs kann ich auch meine eigene Entwicklung ablesen. Wenn ich darauf zurück Blicke, erkenne ich die Person die ich zu Beginn war kaum noch wieder. Den Blog allerdings auch nicht :-D.

Irgendwann habe ich dann nicht mehr nur über Veranstaltungen geschrieben, sondern eher allgemeiner über (lizensierten) Hobbyradsport in Pottschnauze (hier komm ich numma wech). Rennanekdoten, Trainingsmotivation, kulinarische Highlights und so total schlaue Sprüchsken und Weißheiten, damit auch ein wenig Niveau erhalten bleibt :-D.

Der Blog ist also für alle Radsportheinis da draußen, die Zweiräder lieben, die auf bekloppte und nicht so ernstgemeinte Radsportgeschichten abfahrn, ein bissken oder viel Motivation und watt zum Schmunzeln suchen, aber auch wissen wollen watt so abgeht. Vom Klapprad, übern Renner bis zum Mountainbike. Außerdem bin ich auch ein wenig bekloppt inner Birne und mache sehr gern Quatsch. Der Blog und (aktuell etwas mehr) die Facebookseite, die ich vor 2 Jahren dazu geschaltet habe, sind super Ventile dafür 😀

Dein Slogan ist „Love Cycling and Talk about it – and don’t forget the cookies“. Was steckt dahinter?
Die Leidenschaft zum Radsport hat mich sehr schnell und völlig in Brand gesetzt und mich und mein Leben auch völlig auf den Kopp gestellt. Ich bin mit nem Köpper ins arschkalte Radsportweltwasser gesprungen, habe auch erstmal viel falsch gemacht, aber dadurch natürlich auch viel gelernt. Meine persönliche Entwicklung zu einem offenen, positiven Gemüt habe ich der Liebe zum Radfahren zu verdanken. Wenn man mit dem ganzen Herzen bei der Sache ist, dann kann man so viel erreichen – natürlich nicht nur im sportlichen Sinne. Wenn man bewusst lebt, im Hier und Jetzt, dann werden kleine Augenblicke so wertvoll, und das ist der Weg zum großen Glück und der Weg ins gesunde Leben. Ich möchte so gern alle Menschen da draußen mit diesem Glück anstecken und am liebsten mit einer Glücksepidemie die ganze Erde verseuchen. Ich teile gern und teilen ist hier der einzige Weg die Glücksmomente, die Liebe zum Radsport und das Glück und die Freude zu vervielfachen! Also: Love Cycling and Talk about it! Das funktioniert natürlich auch mit anderen Hobbys, aber Radsport ist da noch mal etwas ganz spezielles, weil er so viele wunderschöne Facetten hat.

Ach ja! Und die Kekse sind natürlich nicht nur lecker und überlebenswichtig, sondern hier ein Symbol dafür, dieses ganze Trainingszeug nicht zu ernst zu nehmen, sich zu belohnen und sich nicht zu sehr zu geißeln, auch wenn man vielleicht sportliche Ziele hat. Man darf die Freude nicht verlieren, dann verliert man auch die Leidenschaft und verbeißt sich vielleicht in einem Leistungs-Strudel! Dann doch lieber ein Keks garniert von einer Sahnehaube wertvoller Freizeit.

Wenn man dich erlebt – im echten Leben oder „digital“, du scheinst vor Energie zu sprühen. Ist das (immer) so? Was tankt dich auf?
Jedes Leben da draußen hat wohl sein Päckchen zu tragen und auch mal schwere Satteltaschen am Rad. Jede Seele auf ihre eigene Art und Weise und natürlich ist nicht immer alles schön und bunt und lustig und voller Energie. Im Gegenteil. Es gibt viele stille Momente und die Sonne scheint auch bei mir nicht permanent, auch wenn es oft so ausschaut als würde ich dauergutgelaunt sein und nur Urlaub machen. Das Radsport-Karussell ist zwar ein sehr großes, aber auch nur eines meiner Fahrgeschäfte. Da stehen ja noch ne ganze Menge mehr und was da hinter der Kulisse passiert, das gehört nicht auf das Karussell 🙂

Unterm Strich ist es auch gut, denn ohne die unschönen Momente, wüssten wir die schönen ja gar nicht zu schätzen. Das ist ganz wichtig, weil so bleibt man dankbar und kann würdigen was man hat. So kann man auch aus hässlichen Zeiten Energie und Kraft schöpfen. Und so können dann auch wieder neue Ideen und Träume wachsen. Das Leben ist ne Achterbahnradfahrt und es ist unbeschreiblich toll, dass da so viele, ebenso verrückte, mit mir fahren und dann auch noch die Richtung mögen. <3

Dein großes Ziel ist es, auch andere zu motivieren. Wozu zu motivieren? Und warum ist dir das so wichtig?
Ja, das Thema Motivation ist irgendwie son Steckenpferd geworden. Vielleicht weil ich sie selbst oft suche, aber vor allem weil sie ein großer Antreiber ist. Wer sich antreibt, bewegt sich, wer sich bewegt, erreicht etwas. Man braucht sie, um sich Ziele zu stecken und sich auf den Weg zu machen sie auch zu erreichen. Ich möchte Menschen anstubsen genau das zu tun. Sportlich Ziele stecken, egal ob große oder kleine und sie nicht aus den Augen zu verlieren. Gesundheit und Freizeit is datt wertvollste watt wa haben. Die Erkenntnis ist nicht unbedingt immer schön, aber sehr sehr wichtig. Darum möchte ich daran erinnern und motivieren zu genießen: Das zu lieben was wir tun und genau das bewusst zu leben! Und zwar gemeinsam und nicht gegeneinander. Das liegt mir sehr am Herzen.

Mit der nötigen Motivation kann man eigentlich nur gewinnen, aber manchmal brauchen wir eine Gedankenstütze um uns daran zu erinnern, was uns motiviert. Da übernehme ich sehr gern den Job als Eselsohr im Fahrtenbuch.

[Fotos: Jule Schwarz]

 Du rufst jedes Jahr im Herbst zur „Aktion Motivation“ auf. Erzähl mal mehr darüber …
Au ja! Ich liebe die Aktion so sehr! “Watt euch motiviert, motiviert auch andere und watt andere motiviert, motiviert auch euch!” Das ist das Motto der „Aktion Motivation“, um das sich eigentlich alles dreht.

Wenn die eine Saison vorbei ist und die nächste in den Startlöchern steht, genau dann ist auch die Zeit, sich um die Highlights und Höhepunkte für das kommende Jahr zu kümmern – So watt wie „da möcht ich ma teilnehmen“ oder gar „auffe Treppe“böser oder oder! Man schaut dabei zurück in die letzte Saison, was super, fantastisch, atemberaubend oder besonders kacki, schmerzhaft und für die Kategorie „nich so schlau“ war. Was will man noch mal und was kann man besser machen und vor allem wie?

Dazwischen ist aber erstmal viel Kälte, Nässe, Schnee, Pampe, Russisch-Roulett-Trainingseinheiten auf Glatteis und allerhand anderer Schisselameng. Quasi perfekte Bedingungen für Ausreden: „Eigentlich wollte ich ja heute eh unbedingt die Bude putzen“  und Zielverwischung: Treppe? – och nö, dat is mir doch gar nich so wichtig – Hauptsache Spaß und ankommen. Jaja! Der Winter und die Saisonpause, die fiesen Möppe, treiben ihren Schabernack und machen’s einem nun echt nicht leicht. Dazu klingt es von allen Seiten: „Gewinner werden im Winter gebacken“ und damit sind ja leider keine Plätzken gemeint! Manchmal vergisst man da seine ausgetüftelten Ziele und die Gründe warum man sich hier und da so hässlich quält und fragt „wozu überhaupt“ (bei 3h Grundlagentraining im Schneeregen zum Beispiel – ganz toll), schließlich is dat doch alles nur für Spass. Multipler Motivationsmangel – wer kennt’s nicht.

Darum ist es wichtig sich immer wieder zu motivieren und seine Wünsche, Ziele und Träume über den Winter nicht zu vergessen. Ich dachte eine Gedankenstütze wäre da prima und weil wir alle im selben (Tret)Boot sitzen, können wir uns auch alle gegenseitig unterstützen. Ich sammle also die Highlights und sportlichen Höhepunkte aus der letzten Saison in Form eines Fotos, von jedem der mitmachen mag, um damit Wintermotivation für die kommende Saison zu generieren. Ich erstelle dann ein Plakat mit diesen ganzen Motivationsmomenten und stelle es im Blog, als Download zur Verfügung. So kann es sich jeder ausdrucken und an die Wand pinnen. Und die schönste Motivation für mich ist, dass sich so viele darüber freuen und sich tatsächlich damit motivieren können. Wenn mich Fotos von den hängenden Plakaten erreichen, flippe ich jedes Mal aus vor Freude!

Als Blogger sendet man ja erst einmal einfach so in die Welt hinaus und weiß gar nicht so genau, ob, wie und wo die eigenen  Botschaften ankommen. Ist das ein Thema für dich?
Ich glaube es ist ne gemischte Tüte. In erster Linie schreibe und zeige ich nur das was mich auch interessiert/was ich gerne mit anderen teilen möchte oder wo ich meine, dass sollten unbedingt alle wissen. Ich generiere keinen Content, nur weil das Thema XY gerade voll hip ist um Klickzahlen zu erhöhen oder sowas. Darum gibt es auch keine richtige Regelmäßigkeit in meiner Aktivität. Et kütt wie et kütt. Mir ist wichtig, dass es entweder Hand und Fuß hat und immer authentisch oder halt lustiger Quatsch ist. Wenn man eine gewisse Reichweite hat, trägt man auch eine gewisse Verantwortung.

Ich weigere mich z.B. Produkttests zu machen oder Werbung zu schalten. Das hat immer so einen faden Beigeschmack, kann ich selbst nicht leiden und darum kommt mir sowas auch nicht inne Tüte. Das sollen andere machen, auch wenn es die Keksdose vielleicht etwas füllen würde.

Natürlich juckt es mich auch wie was ankommt und ich freue mich wie ein kleines Kind über jeden Daumen unter so nem Facebook-Post – Ich poste aber nicht um möglichst viele Daumen abzustauben. Ich kann auch sehr gut damit leben, wenn die Leutchen meine Meinung nicht teilen und auch mal was Kacke finden und mir das auch mitteilen.

Bekommst du (regelmäßig) Feedback von deinen Lesern? Welches hat dich bisher am meisten gefreut – hast du ein besonderes Beispiel?
Also es ist halt so regelmäßig wie meine Beiträge. Also eher regelmäßig unregelmäßig :-D. Über Facebook bekomme ich schon recht viel Rückmeldung und das tut auch wirklich gut. Es bestätigt mich in meinem Handeln, was ich sehr wichtig finde. So richtig persönliches Feedback ist dagegen schon eher selten, aber dafür auch immer ne wirklich riesige Extraladung Energie für mich. Ich bekomme fast ein schlechtes Gewissen, wenn sich jemand für mich seine Zeit genommen hat, um mir zu schreiben, aber es ist wirklich der schönste Lohn für die Mühe, die es auch mal macht. Wenn die Leute danke sagen und auch verraten warum sie Danke sagen – das ist wirklich das Größte und da weiß man, warum man das macht. Spontan fällt mir die Mail von einer Frau ein, die sich durch mich motiviert gefühlt hat wieder mit dem Radfahren zu beginnen und erstmal vorsichtig mit dem Hollandrad zum Einkaufen startete. Sie schrieb, dass sie vergessen hatte, wie glücklich sie das Radfahren macht und jetzt lebt diese Erinnerung wieder. Bei sowas springt mein Herz im Dreieck und da steht mir wirklich dat Pipi inne Augen. Danke für’s Danke sagen!!

Sich hinsetzen und „einfach so bloggen“ – so einfach ist das gar nicht. Woher kommen deine Geschichten? Wie schwer oder einfach ist es für dich, Themen zu finden und (darüber) zu schreiben?
Da draußen warten tausende Geschichten, sie wollen gefunden und erlebt werden. Sie kommen aus der Aktivität, den Rennen und deren Vorbereitung und den alltäglichen Touren. Und da werde ich im Moment ganz still, weil ich in den letzten 1,5 Jahren etwas kürzer treten musste und so auch echt viele Geschichten liegen geblieben sind. Ich vermisse die Schreiberei aber sehr und darum gehe ich im nächsten Jahr auch wieder mehr in die Offensive, die Geschichten zu finden und sie auch in den Blog zu kloppen. Training luppt jedenfalls schomma! Themen gehen glaube ich niemals aus. Im Gegenteil … Eher ersticke ich in den nicht geschriebenen Berichten. Aber der Tag hat halt auch nur 24 Stunden. Da richtig zu Haushalten ist echt ne Mammutaufgabe wenn man so gern, so viele Dinge macht, die halt auch alle ein gewisses Zeitfenster benötigen. Besonders wenn man es immer alles perfekt machen möchte.

Hast du einen persönlichen Lieblingsblogeintrag?
Mein Lieblingsblog ist tatsächlich der zu DM
, aber auch der Blog zum P-Weg Marathon ist ein Evergreen in meiner „lese ich immer wieder gern“ Liste. Da kann ich sogar selbst über meine eigenen Witze lachen – oder vielleicht auch nur ich … Wer weiß das schon 😀

Was hat sich durch den Blog persönlich für dich verändert?
Ohne den Blog, wäre ich heute gar nicht da wo ich nu bin und dürfte euch hier zum Beispiel auch nicht vollschwallern :-D! Ich habe es irgendwie geschafft, viele Menschen mit meinem Kauderwelsch zu erreichen und mitzunehmen auf meine Reise durch das Radsportweltall. Durch die Reichweite sind Firmen auf mich aufmerksam geworden, mit deren Unterstützung ich auf sehr hohem Niveau Hobbysport machen und mein Ziel, die Radsportwelt etwas schöner zu machen, erfolgreich verfolgen darf und durfte. Ich kann in so viele Bereiche reinschnüffeln, darf mich ausprobieren, komme an Orte, die für mich allein fast unerreichbar wären und treffe Menschen und deren Geschichten aus denen sich auch immer wieder neue Freundschaften entwickeln. Ich bin für das alles sehr sehr dankbar und darum schuffte ich auch sehr gern dafür. Mein Herz schlägt für all das. Ziemlich doll!

Vor kurzem gesellte sich zu «Jule radelt» noch «Jule kritzelt».  Was hat es damit auf sich?
Im Schlechten ist ja auch immer watt Gutes – so war es auch mit der Kritzelei. In einer längeren Kankheitsphase im Winter 14/15 habe ich meine Stifte wieder ausgekramt, die schon Jahre vor sich hintrockneten. Die ersten Motive waren da natürlich Zweiradmotive. Wenn schon nicht draußen radeln, dann wenigstens auf’m Papier. Ich habe die Bilder als Geschichtenersatz in meine Kanäle gejagt und die Leute fanden’s ganz gut. Das hat mich motiviert, wieder mehr zu machen. Ein Hashtag musste her: Jule kritzelt war geboren 😀

Letztes Jahr hatte ich dann sogar eine eigene Ausstellung und kann das ehrlich gesagt immer noch nicht fassen. Das war gigantisch toll! Möglich war sie übrigens auch nur, weil ein ganz lieber Kontakt, der mir „folgt“, mir die Tür zur Ausstellung aufgemacht hat. Und das i-Tüpfelchen: Seit nem Jahr darf ich für die World of MTB ne Seite bekritzeln. Hallo?! Ich platze vor Stolz!

[Bilder: Jule Schwarz]

Was zeichnest du? Hast du ein zentrales Thema, wiederkehrende Motive …?
Hab ich! Allerdings zeige ich die nicht so häufig, weil sie nichts mit Radfahren zu tun haben und da einfach nicht reinpassen. Die Zeichnungen sind auch eher dunkel und gruselig. Viele Finger die sich zu düsteren Fratzen zusammenfügen sind da oft zentrales Thema. Jetzt frag mich nicht was es damit auf sich hat … Ich versuche auch noch herauszufinden aus welcher verwinkelten Gehirnwindung das Zeug kommt :-D. Ansonsten wird gekritzelt wonach mir grad der Sinn steht.

Schreiben und Zeichnen – ergänzt sich das oder steht das zueinander in Konkurrenz?
Eine Konkurrenzsituation entsteht eigentlich nur in Hinblick auf die Zeit. Macht man dat eine, kann man dat andere nicht machen. Verzwickte Situation! :-D. Dann ist es am besten Kleinigkeiten zu kritzeln und nen Satz dazu zu pinnen oder andersherum um die Verzwickung erstmal zu lösen.

Deine Kreativität und deine zeichnerischen Fähigkeiten: Sind das  angeborene Talente oder (auch) hart erarbeitet?
Das Kritzeln ist, im Gegensatz zum Sport, ne angeborene Liebe, die ich besonders während meiner Schulzeit extrem ausgelebt habe. Hefte, Bücher, Tische und Butterbrottüten… nichts war sicher. Mit dem Berufsleben und anderen Hobbys (Musik/Fotografie/Radsport) ist es dann leider eingeschlafen. Wenn man da nicht an sich arbeitet, verliert man auch etwas an Können, aber es kommt schnell zurück wenn man ein wenig „trainiert“. Talent bleibt ja da und man kann es sich durch schlechte Ernährung und faulenzen auch glücklicherweise nicht so kaputt machen wie gute und hart antrainiere Wattwerte im Wettkampftraining.

 

GEWINNSPIEL – MACHT MIT! Wir verlosen eine von Jules schönen Zeichnung aus ihrem Online-Shop. Wenn du mitspielen willst, hinterlasse einen Kommentar am Ende des Interviews und verrate uns darin DEINEN besten Motivationstrick. Wir verlosen die Zeichnung unter allen Teilnehmerinnen. Bitte vergiss deinen Namen nicht.  Teilnahmeschluss ist der  31. Januar 2017.

 

Wie entsteht so eine Zeichnung von dir? Setzt du dich hin und sagt: „jetzt will ich was zeichnen“ oder…? Und stellst du dir vorher vor, was du zeichnen möchtest oder legst du einfach los und schaust, was entsteht?
Meistens kritzel und krakel ich einfach völlig wild drauf los. Man kann da noch gar nichts erkennen. Dann wird gedreht und gewendet bis ich was sehe und fange an, was ich sehe, raus zu arbeiten. Manchmal bleibt es aber auch nach tausenden Drehungen ein Kindergartengemälde … Dann lasse ich es und gehe lieber Radfahren :-D.
Anders ist es, wenn ich ein Thema vorgegeben habe oder etwas Bestimmtes ausdrücken will. Da habe ich dann auch immer schon ein fertiges Bild im Kopp, was ich irgendwie aufs Papier beamen muss.

Gibt es auch Tage, an denen dir gar nix einfällt oder das Bild in deinem Kopf nicht zu Papier bringst? Wie gehst du damit um?
Wenn sich keine Idee entwickelt oder es mit dem Beamen mal nicht klappt, dann macht es auch keinen Sinn sich daran aufzuhängen. Da werde ich fuchsteufelswild und bekomme schlechte Laune. Das hilft weder mir, noch meinen Mitmenschen und darum muss dann unbedingt watt anderes her oder auch mal gar nichts, was selten aber auch mal sehr toll ist.

Seit kurzem „musst“ du regelmäßig liefern: Denn  – du hast es bereits erwähnt – im Kurvenreich der «world of mtb» erscheint nun Monat für Monat eine deine witzigen Zeichnungen. Wie kam das?
„Hättest du Lust für uns eine einseitige Kolumne zu übernehmen?“ „Ja! Geht auch kritzeln?!“ „Ja sicher!“ „Jawiegeilistdasdennbitte?!?!“ Dann bin ich ausgeflippt und wie die wilde Wutz quiekend durch die Gegend gesprungen. Einmal im Monat versuche ich mich etwas zu beruhigen und kritzel watt fürs Heft.So ungefähr war das 😀

Klingt aufregend :-)! Wie ist das für dich, deine Zeichnungen in einem Magazin gedruckt zu sehen?
Jedes Mal wenn ich die Ausgabe inne Fittiche bekomme platze ich vor Stolz! Wirklich! Ich weiß, dass da was von MIR drin ist! In DER MTB-Zeitschrift!! Das ist ein riesiges Glück für mich! Jeden Monat aufs Neue! Glück was man in den Händen halten kann! Das ist ein wirklich galaktisches Gefühl!

Außer auf deinem Blog und im Magazin – kann man deine Zeichnungen sonst noch wo bewundern?
Jaaa! Kann man! Ein kleines Sammelsurium gibt es auf der Webseite, auf der sich auch das Büdchen für die Drucke befindet. Da findet man z.B. auch alle Kritzeleien, die in der world of mtb waren auf einem Haufen. Da viele Motive auch nichts mit Radfahren zu tun haben, gibt es auch eine Jule kritzelt Facebookseite. Außerdem hängen seit Oktober ganz viele Kritzeleien im Kröger by Underdog Hotel in Hamburg rum. Eine ganze Etage – die erste, falls da mal wer schnüffeln mag. Da kann man die Drucke sogar auch kaufen. Das Hotel ist der Oberknaller und eine wahre Freude für sportliche Designliebhaber. Da bin ich natürlich megastolz, dass die Inhaberin Wiebke Ortmann der Meinung ist, dass meine Kritzeleien da super reinpassen! Was für eine Ehre!

[Fotos: Jule Schwarz]

(Noch) ist dein Blog ein reines Hobby? Könntest du dir vorstellen, das – wie viele andere erfolgreiche Blogger – mal zum Beruf zu machen?
Ne, ich denke nicht. Ich bin da total frei und ich mach was mir gefällt. Pipi Langstrumpf Style! Da gibt es keine Vorgaben und auch keine Grenzen. Ich glaube, dass vieles von meinem Zeug so gut ankommt, weil es einfach authentisch ist und ich kann so authentisch sein, weil ich alles frei Schnauze und mit einer gewissen Leichtigkeit machen kann. Wenn ich nu damit meine Keksdose füllen müsste, bekommt alles einen Zwang und ich müsste vielleicht auch über Dinge schreiben, auf die ich keinen Bock habe oder auf jeden Fall schreiben, obwohl mir gar nicht danach ist. Neeee! Dat kann nicht gut gehen. Es ist nur zum Spässken anner Freude und so soll’s auch bleiben! 🙂

Zum Schluss noch: Welchen Rat möchtest du anderen Bikerinnen mit auf den Weg geben?
Love cycling and talk about it – and don’t forget the cookies, natürlich!

Und ganz zum Ende noch die obligatorische Frage: Wie gefällt dir GIRLSRIDETOO.DE (ganz ehrlich, gerne auch konstruktive Kritik ;-))?
Ich find‘s natürlich geil!
Zum einen trauen sich mittlerweile so viele Mädels auch mal inne Büsche oder überhaupt aufs Rad – da ist GIRLSRIDETOO.DE sicherlich nicht unschuldig dran. Ihr habt mit eurer jahrelangen Arbeit einige Schippen Motivation und Mut verteilt, trotz Hauptjob und Familie etc.
Zum anderen ist es doch fantastisch, wenn es eine Plattform gibt, wo sich die Mädels tummeln können und unter sich sind. Nachlesen, schnüffeln, vernetzen, Freunde finden, radeln gehen … finde ich großartig!
Visuell würde ich mich einen neuen Hintergrund auf der Webseite wünschen – der aktuelle macht das Lesen etwas mühsam, besonders an mobilen Endgeräten (farblich zu wenig Kontrast).

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Commenting area

  1. Patricia Rupp 21. Januar 2017 at 10:09 · · Antworten

    Mein bester Motivationstrick: wenn ich mal auf garnichts lust hae, aber trotzdem los muss:) dann stelle ich mir den wecker auf kurz vor knapp, lese bis dahin was schönes. Wenn der wecker dann klingelt muss ich aufspringen und mich ganz arg beeilen, mich umzuziehen, mein zeug zu packen. Dann muss alles so schnell gehen, dass ich garkeine zeit habe darüber nachzudenken, ob ich nun lust habe oder nicht. Die Bilder von Jule sind mega hübsch. Ich würde mich freuen, bei mir zu hause eins hängen zu haben. Lg

  2. Mich motiviert der Wind um die Ohren … das SEIN.

  3. Das mit der Motivation ist so eine Sache… das klappt nicht immer, aber am besten klappt es wenn man etwas mit anderen macht! 🙂 Sobald man weiß, dass andere mit einem rechnen oder auf einen warten, dann ist das einfach grandios und man macht sich fertig, tritt vor die Tür und los gehts! Dabei ist ganz egal welche Art von Sport. Mit anderen Menschen ist es einfach am schönsten!

    Darüber hinaus… super Interview! Immer schön Mal einen kleinen Blick „hinter die Kulissen“ zu bekommen. 🙂 Bei Jule ist es immer cool, da wir die gleiche Heimat haben und es immer schön ist auf ihren Bildern und Geschichten Orte wiederzuerkennen!

    Liebe Grüße

    Jacqueline

  4. Marion Höhn 22. Januar 2017 at 22:35 · · Antworten

    Hallo,ich heiße Marion und bin Mitte 50.
    Ich liebe es über alles mit Freunden in die schöne Eifel rund um Nideggen und Heimbach mit dem MTB in bunten Socken über Feld,Wald,Wiesen und Trails zu fahren.Ab und an einen kleinen Wettkampf mit der MTB-Sockentruppe zu machen und hinterher das Gefühl zu haben etwas richtig gutes getan zu haben,Zufriedenheit zu spüren,glücklich sein und das Glück in den Gesichtern der anderen zu sehen.
    Ein großes Lob an Jule mit ihren schönen Aktionen und liebevollen Kritzeleien.
    Einfach eine Klasse Frau.
    Hätte ich früher gewußt das mir das Biken für mein Leben so einen großen Gewinn bringt dann hätte ich schon viel früher damit angefangen.
    Aber besser spät als gar nicht!
    Lieben Gruß Marion

  5. Tolles Interview. Das merke ich daran, dass es viel Text und ich es trotzdem lese 🙂
    Tolle Motivationen dabei. Schöne Geschichten.

  6. Mich motiviert, wenn die Sonne scheint – leider wars heute nicht so gut – weil Blitzeis

  7. Ich beginne den Tag schon mit positiven Gedanken.
    Die Zeichnungen; herzallerliebst und zauberhaft.

  8. Andrea Braun 31. Januar 2017 at 22:51 · · Antworten

    Mein Motivationstrick ist der Gedanke an das positive Gefühl am Ender der Fahrt, wenn man glücklich und ausgepowert eine erfrischende Dusche nimt.

  9. Die Freiheit motiviert mich ohne Raum und Zeit

  10. Zeichen ist eine tolle Motivation und macht glücklcih

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