Profilbild_ohne_Helm„Ich will dahin – und zwar jetzt und sofort!“ Das Interview mit Rafaella „Roxy“ Wieschollek löst akute Fern- und Bikesehnsucht bei mir aus. Denn während ich im nassweißgrauen Oberbayern sitze,  trailt sie wahrscheinlich gerade über eine der schönsten Mittelmeerinseln: Mallorca. Als Betreiberin der (in Europa einzigen weiblich geführten) Bike-Station, genießt sie Ganzjahres-Bikespaß und Sonne satt. Ein Traumjob wie er im Buche steht? Wir wolltens wissen:

Roxy, wie bist du zum Mountainbiken gekommen?
Ich habe eine Zeitlang für Hotels als Fitnessanimateurin und dann als Tänzerin und Choreographin für Musicalshows gearbeitet, dann aber leider Knieprobleme bekommen. Da musste ein neuer Sport her! Und da ich schon immer gerne im Dreck gespielt habe, habe ich mir gedacht: „Warum nicht Mountainbiken?“

Was ist für dich das Schönste am Biken, das Besondere im Vergleich zu anderen Sportarten?
Der Dreck 😉 Nein, ernsthaft… Der technische Anspruch. Dass man sich immer weiter steigern kann. Biken ist für mich ein kniffliges Rätsel, das man mit dem Körper lösen muss. Dabei sieht man aber auch noch die schönsten Orte, fernab von allem Trubel.

Was war dein schönstes Bike-Erlebnis?
Wenn ich so zurück denke, kommen da sehr viele schöne Erinnerungen hoch… Ich denke wohl, eines der schönsten Erlebnisse war meine allererste geguidete Tour als Selbständige. Ich werde diese Gruppe von Kerlen auch nie vergessen, aber sie kommen zum Glück jedes Jahr wieder 😉
Und dein schlimmstes?
Ich finde es immer schlimm, wenn sich ein Teilnehmer in meiner Gruppe bei meiner Arbeit als Guide verletzt. Oder natürlich ein Freund (oder ich 😉 – kommt aber zum Glück *aufHolzklopf* nicht so oft vor).

Was sind deine 3 Lieblingsprodukte rund ums Biken?
Das Radon Slide 160 9.0 mit Custom Speer Laufrädern.
Der beste Sattel EVER: SQlab 611 MTB, in der Active Ausführung.
Kettenwixe Duraglide – das beste Kettenöl meines Universums.

Du lebst auf Mallorca, kommst aber eigentlich aus Zypern. Erzähl mal, wie führte dich dein Weg auf die „Urlaubsinsel der Deutschen“?
Das ist eine etwas längere Geschichte… Geboren und aufgewachsen bin ich in Nordzypern, bin dann aber mit 14 nach Deutschland gezogen. Doch Deutschland war aber nie meins – kalt, grau und irgendwie habe ich mich da nie zurechtgefunden. Also bin ich direkt nach dem Abi in die Dominikanische Republik geflogen und habe dort als Sport- und Fitnessanimateurin gearbeitet, bin dann noch eine Weile gereist und schließlich für ein paar Saisons als Choreographin und Tänzerin für Musicalshows in Hotels auf die Kanaren.
Dann habe ich mir gedacht, ich müsste doch etwas „Vernünftiges“ machen und habe in der Schweiz Hotelmanagement studiert. Nach dem ersten Diplom, bin ich zuerst wieder ins Ausland geflüchtet (wieder tanzen!), bekam dann aber Knieprobleme, weshalb ich das Tanzen etwas zurückschrauben musste. Also zurück nach Deutschland und wieder zur Uni. Während meines 2. Studiums (Übersetzen und Dolmetschen) in Heidelberg habe ich dann in Karlsruhe gelebt und dort im Verein angefangen zu biken.
Dann habe ich auf Mallorca ein Fahrtechnikcamp bei Stefan Herrmann gemacht, weil meine Freundinnen das gebucht hatten – „OHJE, Malle!“ habe ich damals gedacht. Aber, OH WUNDER – die Insel ist ja wirklich schön 🙂 …wenn man nicht gerade am Ballermann ist. 2 Wochen später hat Stefan mich gefragt, ob ich ein Praktikum bei ihm machen möchte. Ich also – Job gekündigt, Sachen gepackt, hauptberuflich Job als Bikeguide gesucht und nebenbei zu Stefan als Praktikantin gegangen. Und so bin ich nach Mallorca gekommen… Denn dieser erste Job als Bikeguide war hier auf Mallorca.

Wow, ganz schön mutig – wie groß war der Schritt für dich, auszuwandern und dein Leben so komplett zu verändern? Was hat dich angetrieben, gereizt?
Ach, Mallorca ist ja nicht aus der Welt. Man könnte ja immer wieder zurück, falls es einem doch nicht gefällt. Und die Vorstellung hier im Warmen am Meer zu leben und Rad zu fahren ist halt einfach viel toller als in Deutschland im Grauen zu hocken und in einen Bildschirm zu starren.

Wie ging‘s dann weiter. Wie wurde dann „Roxybike“ geboren?
Nach der ersten Saison habe ich gemerkt, dass ich mich selbstständig machen möchte, denn ich hatte da so einige Ideen und Vorstellungen, wie ich mehr auf Kundenwünsche eingehen könnte… ich war 25 und voller Elan 😉 Gesagt, getan. Kredit aufgenommen, selbstständig gemacht. Meine eigene Bikestation: Roxybike, das Radon und Liteville Testcenter Mallorca eröffnet. Ich bin jetzt im 5. Jahr selbstständig… Während ich im ersten Jahr alles alleine gemacht habe: Werkstatt, Verleih, Guiding, Webseite, usw…, habe ich mittlerweile in der Hauptsaison bis zu 6 und im Winter 3 Angestellte und wir fahren so gut wie ganzjährig bis zu 4 Touren auf unterschiedlichen Levels täglich. Mittlerweile vermisse ich ein bisschen das Biken alleine, da ich dafür nicht mehr so viel Zeit habe – das hat man davon, wenn man sein Hobby zum Beruf macht 😉 Aber dafür habe ich über 340 Tage Sonne im Jahr und eine Werkstatt mit Nippelspanner, Kettenpeitsche etc. und ein paar fesche junge Männer, die diese Werkzeuge bedienen können, ohne dass es jemandem weh tut 😉

Das klingt alles so einfach und geradlinig: War es das – oder hattest du doch mit dem ein oder anderen Hindernis zu kämpfen
Haha, ja, natürlich war es nicht immer einfach. Ist es auch heute nicht. Wer sich (erfolgreich) selbstständig machen möchte, muss wissen, dass es sehr sehr (sehr) zeitintensiv ist und ein Maximum an Disziplin erfordert. Außerdem sollte man ein durchdachtes Konzept haben. Natürlich habe ich schon ein paar Mal gedacht – „ihr könnt mich alle mal grrrrrr (…liebhaben), ich kann nicht mehr“, aber dann überlege ich einfach wieder was mein Traum war, warum ich mich selbstständig gemacht habe und dass man alles im Leben zurück bekommt.
Aber manchmal, vor allem, wenn alle nur BILLIG wollen, aber dafür dann das BESTE und den EXKLUSIVSTEN Service möchten, muss man sich schon zusammenreißen. 😉 Aber psssst – nicht weitersagen.

Wie wichtig war und ist dein Vorwissen (Sprachen, Studium, Reiseerfahrungen…) für die Gründung und Leitung der Bikestation?
Oh, ich denke, dass alle Arten von Erfahrungen (vor allem die Schlechten) einen weiterbringen. Und ich bin der Meinung, dass man die Sprache des Landes lernen muss, in das man auswandert, also nicht, wie es bei Goodbye Deutschland! gezeigt wird 😉 und daher hat mir natürlich meine Zeit in der Dom. Rep. und auf den Kanaren sehr viel gebracht, da ich zumindest schon Spanisch konnte. Ich denke auch, dass es einem viel bringt, wenn man viel gesehen hat, da man einfach offen für „Anderes“ ist. Auch das Studium hat natürlich viel geholfen – wenn man bereits Management und Buchhaltung im Studium gelernt hat, fällt es einem natürlich leichter, seine eigene Firma zu gründen und zu führen. Hoffe ich 😀 Und man weiß, dass man immer wieder „zurück“ kann, wenn es doch nichts wird 😉

Du bist die einzige Frau in Europa mit einer eigenen Bikestation. Hast du es (als noch dazu sehr kleine Frau) schwer in dieser Männerdomäne? Wie ist das im Alltag mit deinen „feschen Männern“, den Kunden und der Konkurrenz?
Ja, ich denke schon, dass man als Frau mehr mit Vorurteilen zu kämpfen hat und sich mehr „behaupten“ muss. Einige Männer glauben, dass sie im Falle eines Defekts im Wald verhungern werden, weil sie „nur“ einen weiblichen Guide dabei haben 😉
Mit den „feschen Männern“ – naja, zum Glück sind sie nicht nur fesch, sondern auch kompetent 😉
Die „Konkurrenz“ merke ich an sich wenig, ich sehe die anderen Stationen auf Mallorca als Kollegen und treffe mich auch ab und zu mit den Chefs: zum Biken, Kaffee trinken oder quatschen. Ich denke, die Insel ist groß genug für alle.

Was unterscheidet deine Bikestation von anderen?
Ich denke der Hauptunterschied ist, dass wir nahezu ganzjährig Touren anbieten, die Gruppen auch immer in verschiedene fahrtechnische Levels aufteilen und dadurch ausschließlich in möglichst homogenen Kleingruppen von max. 8 Gästen pro Gruppe fahren. Bei Roxybike wird „Service“ einfach sehr groß geschrieben, die Kunden können verschiedene Bikemarken bei mir testen und auch verschiedene Modelle. Alle Mietbikes sind mit ergonomischen Griffen und Sätteln von SQlab ausgestattet, wir haben gratis Schoner von G-Form und unbreakable Gloryfy Brillen zum Testen da und jedes Bike wird vor Anreise und dann noch einmal mit dem Kunden zusammen auf sein Gewicht, seinen Fahrstil und seine Wünsche eingestellt. Auch Helme, Trinkflaschen, Wasser, Snacks, Handschuhe und Shuttle sind bei einer Roxybiketour im „rundum-sorglos-Paket“ inklusive.
Außerdem sind alle meine Guides im Guiden und in 1.Hilfe ausgebildet, meine Fahrtechniktrainer (und ich) sind DIMB-, BDR- und/oder WRSV-zertifiziert.


 

 


 

Wer sind deine Kunden? Wer kommt zu dir?
Ich habe größtenteils deutsche Kunden, aber auch Engländer, Skandinavier, Holländer und Spanier. Die meisten sind zwischen 35 und 65 Jahren. Zu 80% der Zeit fahre ich allein mit Männern, aber es kommen immer mehr Frauen zum Sport dazu. Zum Glück! Denn die Atmosphäre ist meist etwas entspannter, wenn es eine gemischte Gruppe ist.
In der Hauptsaison (Februar – Juni & September – November) sind die Meisten Pärchen oder Freundesgruppen, die oft zusammen fahren, aber natürlich auch immer mal Alleinreisende. Im Sommer sind es auch oft Familienväter, die mal einen Tag „frei“ von der Frau bekommen.
Vom Leistungsniveau ist alles dabei: komplette Anfänger bis zu „Cracks“ und auch einige Rennfahrer, aber die Mehrheit ist vom technischen Level her auf Level 1 – 2 der Singeltrailskala.

Nach was suchen die meisten deiner Kunden, wenn sie in deine Bikestation kommen? Und welcher Wunsch ist dir am liebsten?
Die meisten Roxybike-Kunden buchen geführte Touren und Fahrtechniktrainings. Am liebsten mag ich die Kunden, die den Service, den meine Kollegen und ich bieten, auch schätzen. Denn wir geben uns wirklich Mühe, fast jeden Wunsch zu erfüllen. Und da freuen wir uns natürlich auch, wenn sich die Kunden freuen.

Wie stellst du deine Touren und dein Tourenprogramm zusammen? Musst du jedes Jahr etwas Neues bieten? Wie entdeckst du neue Wege?
Ich habe die Touren nach fahrtechnischen Levels (S0 – S3) eingeteilt, nicht nach dem konditionellen Anspruch (hm, km), denn ich glaube, dass konditionelle Unterschiede viel einfacher ausgeglichen werden können, als fahrtechnische. Fahrtechnische Überforderung führt viel schneller zur Frustration oder zum Sturz. Das muss ja im Urlaub nicht sein.
Ich habe extrem viele Stammkunden, die jedes Jahr kommen und sogar gerne die gleichen Touren noch einmal fahren. Außerdem verbessern die Biker meistens mit der Zeit ihr Fahrkönnen, so dass sie dann sowieso nach und nach andere Touren fahren können. Für die treuesten Kunden suche ich auch immer mal neue Strecken und fahre diese mit ihnen.
Dafür fahre ich öfter mal mit Locals und probiere auch selbst einfach mal etwas Neues aus.

Bietest du auch reine Frauengruppen an?
Ja, ich habe das in der 1. Saison gemacht und jetzt dieses Jahr mache ich es auch wieder. Ich finde Lady-Camps sind von der Atmosphäre her eher entspannter und die Mädels unterstützen sich gegenseitig, ohne einen Leistungsdruck zu erzeugen. Das ist schön.

Kann man auf Mallorca Touren alleine fahren oder braucht man unbedingt einen Guide?
Nein, man kann auch alleine fahren, man muss nur mehr Zeit und Geduld mitbringen 🙂 Es gibt Tracks im Internet und wir geben unseren Mietkunden auch immer gerne Tipps. Aber man tut sich mit einem Guide natürlich viel viel leichter und findet wahrscheinlich auch die besseren Trails.

Mallorca steht ja eher für Rennradln als für Mountainbiken. Mach mal ein wenig Werbung: Warum muss ein Biker unbedingt auch mal auf „Malle“? Was ist besonders (schön) daran?
Tja, eben genau WEIL es nicht so populär ist, ist es so wunderschön hier: Die Trails sind leer und die Strände, an die man fährt, auch. Das ist das Tolle am Biken auf Mallorca: es gibt alles auf der Insel: ruppige Wege, Schotter, Geröll, sandige Trails, rutschige Waldtracks, hin und wieder auch mal ein wenig Flow und das Ganze komplett fernab vom Massentourismus. Und dann auch nur 2 Flugstunden entfernt, einfach genial für ein verlängertes Bikewochenende!

Wie stehen die „Locals“ zum Thema Mountainbiken? Ist das das Befahren (Wander)Wege dort auch so ein Problem wie hier bei uns?
Nein, im Gegenteil. Die Mallorquiner sind selbst auch sehr aktive Biker und daher Bikern gegenüber sehr offen. Fast alle Wanderwege darf man befahren.
Einige meiner Touren führen über Privatgelände. Ich habe mir dafür (mit Schokolade und/oder Schnaps) bei den Besitzern die Erlaubnis dafür geholt 😉 Wenn Frau auf dem Bike (auf Spanisch) nett fragt, sind die Mallorquiner an sich sehr kooperativ.

Muss man als Guide immer „der / die Beste“ (konditionell / fahrtechnisch) sein? Was erwarten die Kunden, was sind deine Ansprüche an dich selbst?
Nein, ich denke, dass das überhaupt nicht möglich ist und auch nicht wichtig. Die Leute buchen einen Guide, weil sie den Weg gezeigt bekommen möchten, etwas über Land und Leute erfahren möchten, bei Pannen und Stürzen Hilfe und evtl. ein paar Tipps zum Fahrtechnischen bekommen möchten. Aber nicht, damit da vorne einer herumturnt oder davonradelt. Ich finde, ein guter Guide muss fahrtechnisch SAUBER fahren, also seine Vorbildfunktion erfüllen, sich nicht auf Rennen oder Challenges einlassen und vor allem jeden in der Gruppe im Blick haben. Sicherheit geht vor.

Was macht ein MTB-Guide an seinem freien Tag? Und was macht ein MTB-Guide, der auf Mallorca lebt, im Urlaub?
Biken!! Ja, wirklich. Also ich gehe an meinem freien Tag gerne mal selbst biken, eben anderes Terrain, als ich mit Gästen fahre, um mich zu verbessern und auch selbst wirklich Spaß zu haben. Aber manchmal bin ich auch einfach so platt, dass ich die Hausarbeit erledige und mit den Katzen kuschle.

Ihr bietet eure Touren fast übers ganze Jahr an. Unterscheiden sich die Jahreszeiten für dich (beruflich) trotzdem?
Ja, wir bieten zwar ganzjährig Touren bei Roxybike an, aber dennoch gibt es eine Haupt- und Nebensaison. Hauptsaison ist Frühling und Herbst: da fahren wir bis zu 4 Touren auf unterschiedlichen Levels täglich und ich arbeite im Grunde 7 Tage die Woche durch. Im Sommer und im Winter ist Nebensaison, da fahren wir zwar auch viele Touren, aber meist nur 1 bis 2 täglich und daher kann ich auch mal frei machen und sogar Urlaub machen. Ich persönlich liebe den Winter, weil die Strände menschenverlassen sind und die Temperaturen ideal sind, um zu biken.

Nach welchen Kriterien suchst du deine Mietbikes aus?
Ich schaue, dass bei den Bikes das Preis-Leistungsniveau stimmt, die Ausstattung qualitativ hochwertig ist, die Geometrie sportlich und das Design schick. Deswegen Radon Bikes. Preis-Leistungmäßig gibt es da nichts Besseres – vor allem für die Ausstattung und Qualität. Die Bikes gehen ab! Dann habe ich noch Liteville 301er, weil ich auch den Markt der Technik-Freaks bedienen möchte und sich dafür das ruppige Gelände auf Mallorca perfekt anbietet. Bei unseren Enduro-Camps sind die 301er extrem beliebt.
Als E-Bikemarke habe ich das Haibike xDuro gewählt, weil ich finde, dass hier auch wieder die Performance im Gelände zum Preis passt.
Außerdem ist bei allen 3 Marken der Support und Service spitze. Unsere Kunden schätzen unsere Leihbikes vor allem, weil sie hochwertig sind, wir sie perfekt auf sie einstellen und sie gut warten. Sie sollen einfach funktionieren 😉

Was hältst du von den neuen Entwicklungen am Bikemarkt, wie große Laufräder, fette Reifen oder E-Bikes – und was deine Kunden? Du bist ja sehr nah dran an den Wünschen und Fragen der Biker/innen …
Also die großen Laufräder werden nur bedingt angenommen. Ich merke, dass viele Biker 29“ mal testen wollen, aber dann doch wieder auf die wendigeren Laufräder umsteigen wollen. 27,5“ ist da ein recht guter Kompromiss, obwohl ich selbst (mit 1,58m) bei 27,5“ bei sehr steilem Gelände schneller an meine Grenzen stoße, einfach weil meine Beine nicht lang genug sind… Ich glaube, dass die großen Laufräder nur für große Biker oder „Streckenmacher“ wirklich Sinn machen und finde es schade, dass so wenige Hersteller noch 26“ (vor allem für Frauen) produzieren.
E-Bikes wiederum sind eine tolle Erfindung! Sie sind nicht nur für unsere Kunden spitze, um Leistungsunterschiede auszugleichen, sondern auch für uns Guides eine tolle Sache, denn wenn man mal erkältet ist oder viele Tage am Stück mit sehr fitten Bikern unterwegs ist, hilft das E-Bike enorm. Und es ermöglicht uns das bessere Arbeiten. Denn dank „E“ können wir viel schneller bei Stürzen vor Ort sein, Pannen beheben, mehr Fotos machen, etc.

Und welches Bike fährst du (am liebsten) – in welchem Setup?
Als Guide und Fahrtechniktrainer fahre ich mein Radon Slide 27,5“ 140 9.0 am liebsten, da es GENIAL bergauf rollt, aber dabei noch genug Federweg für die ruppigen mallorquinischen Trails bietet. Es ist an sich ein extrem stimmiges Rad mit herausragendem Preis-Leistungsverhältnis. Setup: Dämpfer auf mich und meinen Fahrstil eingestellt (machen leider die wenigsten!), leichte tubeless Speer Laufräder, SQlab 611 Sattel und breite Reifen mit Grip, vielleicht noch ein kleiner Hello Kitty Sticker 😉 für den weiblichen Touch. Für die extrem steilen ausgesetzten Sachen wähle ich aber lieber mein 26“ Liteville 301, da ich einfach zu kurze Beine habe, um in steilem Terrain noch über die größeren Laufräder zu kommen.

Wie viel Arbeit und wie viel Spaß steckt in deinem Job?
Arbeit ist Arbeit 😉 Nein, ganz ehrlich, ich fahr lieber mit dem Fahrrad zum Strand, als mit dem Porsche ins Büro. Und genau so sehe ich den Job als Guide. Das Umfeld macht sehr viel wett, der Trailspaß auch und die meisten Leute sind im Urlaub ja auch entspannt. Es ist ein schönes Gefühl, meinen Gästen einen unvergesslichen Urlaub zu bereiten. Und das macht natürlich auch mich glücklich.

Was gefällt dir an deinem Job nicht?
Haha, ihr möchtet also, dass ich aus dem Nähkästchen plaudere? 😉 Ganz ehrlich, der Job ist nicht immer einfach (aber welcher ist das?), aber es ist ein Traumjob mit viel Abwechslung und vor allem frischer Luft. Das Einzige, was ich wirklich anstrengend finde, ist wenn sich Leute massiv überschätzen, das Alphatier markieren müssen und sich dadurch unnötig in Gefahr bringen, oft meist auf den abgelegensten Trails.

Gibt es eine eigene „Bike-Szene“ auf Mallorca – wie sieht die aus? Und wie haben sie dich als Deutsche (Frau) aufgenommen?
Oh ja, es gibt eine sehr große Bikeszene hier auf der Insel. Die meisten sind CC- oder DH-Fahrer. In die DH-Szene wurde ich mit offenen Armen aufgenommen, die Jungs sind super nett und schreiben mir oft, wenn sie in ihren selbstgebauten Miniparks unterwegs sind und fragen, ob wir mitkommen. Generell sind die Mallorquiner super sportlich und Bike-affin. Im DH geht alles sehr lustig zu, es sind zwar auch sehr gute Biker dabei, aber im Grunde zählt „dabei sein ist alles“. Im DH-Bereich bin ich die einzige Frau, die anderen Starter bei Rennen (ca. 130) sind alles Männer.
Die CC-Szene ist sehr kompetitiv, da zählen die Leistungen viel mehr, als der Spaß. Aber auch hier sind die Rider und Veranstalter bei Rennen sehr freundlich. Hier sind es ein paar mehr Frauen, bei der balearischen CC-Meisterschaft waren es 10 Frauen und 180 Männer.

Wie erlebst du als Deutsche die Deutschen (Biker) im Ausland?
Oh, das kann man schwierig pauschalisieren. Manche sind sehr bemüht, sich anzupassen, andere bestellen in der abgelegensten Dorfkneipe im tiefsten Bayrisch ein Almdudler.

Vermisst du etwas aus Deutschland?
Forellenfilet 🙂 Und den Trailmix von Seeberger… Und das Kino vor der Haustüre… Naja generell das kulturelle Angebot (Theater, Tanz, etc), aber ich denke, das gibt es hier in Palma-Stadt auch, nur das ist mir leider auch zu weit, als dass ich es in meinen viel zu vollen Terminkalender integrieren könnte.

Und was gefällt dir an Mallorca und den Mallorquinern am besten?
Ich liebe Mallorca, weil die Insel alles hat: eine geniale Naturvielfalt, ein gutes Gesundheitssystem, Einkaufsmöglichkeiten (das schätzt man, wenn man 1 Jahr in der Karibik gelebt hat) und eine gute Infrastruktur. Die Mallorquiner sind zwar auf Anhieb nicht sehr offen, aber wenn man sie einmal kennt, sind sie herzlich und vor allem sportlich.

Wie ist das mit den Freunden, wenn man auf eine Urlaubsinsel zieht? Wollen dich plötzlich alle besuchen?
Naja, besuchen nicht gleich, aber alle wollen Insidertipps und Sonderpreise 😉

Hast du dir deinen Lebenstraum schon komplett verwirklicht – oder wovon träumst du noch? Wird die Reise weitergehen oder bist du (erst einmal) angekommen?
Ich möchte irgendwann wieder mehr Zeit für mich selbst haben. Selbstständig heißt wirklich selbst und ständig. Das möchte ich nun langsam verbessern. Dass ich auch wirklich mal abschalten kann.

Welchen Rat möchtest du anderen Bikerinnen noch mit auf den Weg geben?
Hört nicht auf die tollen Tipps der „erfahrenen“ Männer (Beispiele: „klemm den Sattel ein!“, „Lass laufen, mach die Bremse AUF!“, „Geh gaaaaanz weit nach hinten und halt dich ganz doll fest!“, oder mein persönlicher Favorit: „ein echter Biker fährt SPDs“.), sondern bucht ein professionelles Fahrtechniktraining 😀 Und bitte lasst euch nicht das viel zu große Bike eures Freundes andrehen, sondern kauft euch eines in der richtigen Rahmengröße für eure Körpergröße 🙂 Es muss auch kein 29er sein, wenn du 1,65 bist 😉

Und zum Schluss : Wie gefällt dir GIRLSRIDETOO.DE (ganz ehrlich, gerne auch konstruktive Kritik ;-))?
Ich finde es toll, dass es so etwas gibt, vielleicht trauen sich ja dann ein paar mehr Chicas (wirklich) zu biken.

 


Hier noch ein kleiner Einblick in Roxy Alltag 😉:

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