Ulrikes Begeisterung für das E-Biken und die Möglichkeiten, die es für viele Menschen eröffnet, ist ebenso echt, wie spürbar, wie ansteckend und damit ist sie in ihrem Job goldrichtig: Denn sie ist bei Brose für das E-Bike-Marketing zuständig – eine Aufgabe, die sie in vielerlei Hinsicht „beweglich“ hält.  So pendelt Ulrike etwa Woche für Woche nach Berlin zum Brose Hauptsitz, während sie privat lieber bei Würzburg wohnt – „da, wo es sich so schön biken lässt“. Ihre Begeisterung fürs Biken wiederum, die verdankt sie dem E-Bike. Und so schließt sich der Kreis zwischen Beruf und Berufung …

Brose stellt Elektromotoren für E-Bikes her. Verrate uns: Hast du dir deinen Arbeitgeber passend zu deinem Hobby ausgesucht oder kam das Hobby erst durch die Arbeit?
Meine Tätigkeit bei Brose hatte  anfangs wenig mit Fahrrad zu tun, da ging‘s einfach um meinen Job als Recruiter.
Radgefahren bin ich dagegen schon immer, viel auch während meines Studiums.  Aber das „richtige“ Mountainbiken, das hat mich eigentlich erst  begeistert, seitdem ich bei der Brose Antriebstechnik arbeite und mir dort bewusstgeworden ist, was man mit einem E-Bike alles machen kann.  Ich treibe gerne und viel Sport, aber vor den Bergen und den extremen Steigungen hatte ich immer etwas Respekt.  Von daher bin ich tatsächlich durch das E-Bike zum Mountainbiken gekommen und dann hat‘s mich so gerissen, dass ich mittlerweile beides fahre.  Seit gut einem Jahr trainiere ich jetzt richtig, auch in punkto Fahrtechnik.  Was zuvor ein reines Hobby war, ist somit nun zu einer Sportart für mich geworden.

Was ist für dich das Schönste am Mountainbiken, das Besondere im Vergleich zu anderen Sportarten?
Die Verbindung zum Draußen sein, zum in der Natur sein. Dann, gerade wenn man über die Fahrtechnik spricht, diese starke Konzentration und das komplette Abschalten von Allem. Das ist die einzige Sportart, bei der ich das kann – nicht in einem Studio, nicht beim Schwimmen – das funktioniert komischerweise nur beim Biken. Und das schätze ich sehr.

Was war dein schönstes Bike-Erlebnis? Und dein Schlimmstes?
Es gibt für mich eigentlich nur schöne Bike-Erlebnisse, gerade wenn du in den Alpen bist. Wenn du schließlich oben stehst, auf einem Gipfel, einer Alm, das ist für mich immer wieder ein: „Boah, wie toll, dass du das erleben kannst!“.
Und Schlimmstes? Hm, hab ich jetzt eigentlich nicht. Klar, Stürze gibt’s immer, aber das gehört für mich einfach dazu.

Erzähl mal: Was genau machst du bei und für Brose?
Ich bin „Koordinatorin im E-Bike-Marketing“. Händlermarketing, Eventmanagement, Sponsoring sowie Technikschulungen gehören zu meinen Aufgabengebieten.  Meine Zielgruppen sind sowohl Hersteller als auch Händler. Natürlich betreue ich diese nicht einzeln, sondern in Form von Roadshows, Akademien etc.

Klingt, als wärst du sehr viel unterwegs …?
Mein Job spielt sich viel auf der Straße ab und geht quer durch Europa. Das ist spannend,  aber man muss das Reisen lieben. Ich bin jedoch kein Typ, der den ganzen Tag im Büro sitzen könnte, daher ist das für mich ideal.

Wie ist das, wenn du international unterwegs bist? Sprichst du mehrere Sprachen?
Das läuft alles auf Englisch. Ich spreche ein wenig Französisch und klar versuche ich gewisse Floskeln mitzunehmen, wenn ich in den unterschiedlichen Ländern unterwegs bin, aber die Hauptsprache ist Englisch.

Woher hast du das notwendige Wissen für die Händlerschulungen – du bist ja keine Technikerin?
Ich war früher Recruiter, also ein Personalbeschaffer für den technischen Bereich, und von 2011 bis letztes Jahr in der Motorensparte von Brose tätig. Und Brose hat den Anspruch, dass du auch in dieser Position ein Verständnis für die Technik hast, denn du musst ja auch die Bewerber vom Produkt überzeugen. Sprich, ich wurde schon immer in solchen Themen geschult. So hat sich über die Jahre mein Wissen aufgebaut – beim Doing und durch die Erklärungen der Kollegen. Ich bin bestimmt kein Ingenieur, der dir eine Software programmieren kann, darum geht’s aber am Ende des Tages auch gar nicht. Aber ich habe ein Verständnis für den Motor, dafür, wie er funktioniert, welche Auswirkungen er z.B. auf das Fahrverhalten hat – und vor allem dafür, wie man das dann auch den Kunden vermitteln kann. Ich bin niemand, der etwas nur oberflächlichen erklärt und in typischen Verkaufsgesprächen überzeugt. Gerade in dem Markt geht es ja viel um Technik und die Leute kennen sich sehr gut aus – von daher ist es zwingend notwendig, dass auch du dich auskennst.

Wie wirst du als Frau dabei von den Bike-Händlern aufgenommen?
Am Anfang war das schon ein Thema, da wurde ich schon mit Skepsis gesehen. Ich glaube, wir brauchten erstmal eine Gewöhnungsphase ;-). Durch meine acht Jahre Erfahrung im Automotive-Bereich bin ich es aber gewohnt, in einer Männerdomäne zu arbeiten.  Ich erlebe diesen Effekt immer mal wieder, aber ich weiß damit auch umzugehen, weiß, ich muss jetzt einfach auf die Ebene der Männer gehen. Für mich ist es kein Thema, mit Männern zu arbeiten. Ich finde es teilweise sogar viel leichter, weil man auf einer weniger emotionalen, eher konstruktiven Ebene unterwegs ist. Aber man muss natürlich erstmal zeigen, dass man nicht die „typische Frau“ ist, das ist logisch. Da wird man schon mal ein bisschen ausgetestet und gerade bei den Technikschulungen kommt die eine oder andere Frage, die erstmal prüft, ob ich überhaupt eine Ahnung habe. Aber damit komme ich gut klar.

Zu deinen Aufgaben gehört auch das Thema Sponsoring. Worum geht’s da genau?
Hier geht es vor allem um das Sponsoring von unterschiedlichen Rennen, die jetzt immer mehr kommen. Wir haben gerade aktuell z.B. eines in Italien.  Wir stellen dort aus und betreuen die Events mit. Das wächst jetzt alles gerade mächtig.

Wie stehst du persönlich zu E-Bike-Rennen?
Ich bin hin und her gerissen und diskutiere ganz oft, ob das zusammen passt, E-Bike und Rennen.  Ich glaube schon, dass sich Mountainbiker challengen wollen – egal, ob sie jetzt „E“ oder nicht fahren. Aber ich frage mich immer noch: Ist der typische E-Bike-Fahrer wirklich ein Rennfahrer? Meiner Meinung nach geht es dem typischen E-Bike-Fahrer ja nicht primär um den extremen Speed, das sind dann doch eher die normalen Mountainbike-Fahrer. Die entdecken zunehmend das Thema E-Bike für sich, weil sie realisieren, dass sie damit nochmal eine Stufe mehr drauf legen und nochmal mehr an die Grenzen gehen können.
Ich bin sicher, E-Bike-Rennen werden wachsen,  es ist nur die Frage, welche Formate die richtigen sind. Die E-Bike-Challenge in Riva, wo es auch um das Thema Orientierung ging, kam ja sehr gut an. Ich glaub jedoch, das ist noch ganz viel in Diskussion.

Apropos Riva: Mit welchen Themen kommen Endkunden auf solchen Events zu dir?
Die klassischen Fragen sind: „Welcher Motor ist der richtige für mich?“ – das ist eine Diskussion, die ich dort immer wieder führe, dann das Thema Akku: „Wie weit komme ich damit?“ Man merkt, dass die Leute wirklich sehr viel darüber nachdenken und da immer noch eine gewisse Unsicherheit herrscht. Und dann natürlich die Grundsatzfrage: „E-Bike oder nicht E-Bike?“.

Wie beantwortest du dieses Frage für dich?
Ich bin 100% überzeugt und glaube, es hat enormes Potential. Gerade, wenn wir uns die Entwicklung der Gesellschaft anschauen: Die wird immer älter und die Älteren wollen immer mehr aktiv sein um lange gesund zu bleiben, das ist ein neuer Lifestyle und die eine Seite. Die andere ist, das die Städte immer mehr mit Autos überflutet sind. Ich erlebe das ja selbst jede Woche in Berlin. Da bist du mit dem Fahrrad einfach deutlich besser unterwegs. So entdecken immer mehr das E-Bike als alternatives Fortbewegungsmittel. Du kannst morgens damit entspannt zur Arbeit fahren, ohne Duschen zu müssen (das ist für viele ja ein Thema), und es abends für eine Sporteinheit nutzen. Denn die Zeit wird ja auch immer knapper.
Das E-Bike bringt auch Leute zum Radfahren, die bis dato Respekt vor gewissen Anstrengungen hatten –z.B. auch weil sie krank, schwanger, älter sind oder ein Handicap haben. Grundsätzlich wollen wir mit dem E-Bike Menschen unterstützen, das zu erreichen, was sie sonst nicht schaffen würden, sich das Erlebnis aber dennoch wünschen. Ich finde es toll, wenn man diesen Menschen helfen und ihnen das Stückchen mehr Freiheit geben kann.

Wie erlebst du die Situation im E-MTB-Bereich?
Ich glaube, der E-MTB-Markt ist gerade erst im Kommen. Es gibt noch Skeptiker, die sagen „E-MTB“, das ist nur was für Ältere. Aber wenn sie dann drauf gesessen sind – das erleb ich auch immer wieder bei „Hardcore-Mountainbikern“  – und wieder kommen, heißt es meist: „Wow, ist das geil!“. Ich denke, man muss die Leute dazu bewegen, das mal zu testen, denn sie sind oft skeptisch und finden es erstmal uncool. Aber wenn sie das einmal haben, sind die meisten total offen und haben diese typische „E-Bike-Smiling“ im Gesicht – das kriegen wir alle.
Ich glaube, E-MTB und MTB wird sich parallel nebeneinander weiterentwickeln. Es wird immer die eine und die andere Seite geben, aber beide haben genügend Platz auf diesem Markt.

Welche Potentiale bietet das E-Bike besonders für Frauen und Paare?
Das E-Bike kann Leistungsunterschiede ausgleichen und so das gemeinsame Biken mit dem Partner ermöglichen. Ich erlebe das selbst: mein Freund fährt sehr gut und ich könnte nie mithalten, wenn ich nicht das E-Bike hätte. Man lacht erstmal, wenn die Männer daher kommen und sagen „Gib der Frau mal ein E-Bike“, aber das ist wirklich so. Gerade wenn der Mann mehr im sportlichen Bereich unterwegs ist. Das macht keinem Spaß, es kommt zu Diskussionen und am Ende ist der Tag gelaufen.  So hat man die Möglichkeit, gleichzeitig auf gemeinsamen Level zu fahren – der eine mit, der andere ohne „E“. Aber mir erzählen auch viele Kunden: Jetzt ist auf einmal die Frau so schnell, dass der Mann sich auch ein E-Bike kaufen muss.  😉
Ich sehe Frauen jetzt nicht als spezielle Zielgruppe, denn Frauen wollen das ja selbst oftmals gar nicht, aber ich finde es für mich persönlich absolut praktisch und gebe gerne zu, dass das so ist.

Du hast neben dem E-MTB auch noch ein normales Bike. Wann fährst du was?
Bei mir hat die Wahl des Bikes viel mit meiner inneren Einstellung zu tun und damit, wie ich gerade drauf bin. Es kommt auch darauf an, wie ich gerade trainieren möchte. Wenn ich an der Kondition arbeite und mich mal so richtig in kurzer Zeit auspowern möchte, nehme ich „das normale“ Bike. Wenn wir z.B. lange Touren machen mit vielen Höhenmetern, nehme ich natürlich das E-Bike.  Wenn ich Fahrtechnik übe, finde ich es cool, das erstmal mit dem normalen Bike zu tun und das dann auszubauen; denn das E-Bike ist ja auch deutlich schwerer und liegt schon nochmal anders im Trail. Was ich mit dem normalen Bike absolut nicht hinbekomme  und wo ich echt meinen Fun habe, ist, mit dem E-Bike Uphill zu fahren. Das ist einfach nur genial!



Wie wichtig ist es (dir) für deinen Job selbst eine aktive / gute Bikerin zu sein?
Ich sag immer, du kannst diesen Job nur machen, wenn du selbst vom Produkt und vom Fahren Ahnung hast. Deswegen lasse ich mich z.B. aktuell hinsichtlich Fahrtechnik trainieren, um hier auf ein gewisses Level zu kommen. Denn da bin ich noch weit von entfernt.  Leider gibt es noch nicht so viele spezielle E-Bike-Fahrtechnikkurse, das fände ich eine gute Sache, wo ich mich auch gerne mal hin entwickeln würde.

Kommst du während der Arbeitszeit auch mal aufs Bike?
Ja, klar, das gehört mit dazu. So geh ich z.B. mit meinen Händlern auch mal Biken.

Was magst du an deinem Job am liebsten – und was vielleicht weniger?
Mein Job ist sehr vielseitig und verlangt eine hohe Flexibilität – das mag ich grad so daran. Aber auch sehr viel Kreativität. Er fordert mich, mich immer wieder auf neue Situationen in kurzer Zeit einzustellen und mit neuen Menschen in Berührung zu kommen und da individuell drauf einzugehen.
Weniger gern mag ich die Excel-Listen 😉 – aber das gehört leider auch dazu.  Ich bin halt eher der „Social Typ“ …  Kurzum – für mich ist mein Job eine Berufung und kein  Beruf.

Deine Tochter ist Sieben. Hat sie auch schon ein E-Bike – die gibt’s ja auch schon für Kinder…?
Nein, da bin ich ganz ehrlich: Da gibt’s bei mir eine Grenze. Meine persönliche Meinung ist, Kinder sollten erstmal das Gefühl fürs normale Radfahren bekommen. Die haben noch Kraft und Power und brauchen meines Erachtens keine „E-Unterstützung“.  Sie können ja auch noch gar nicht damit umgehen. Und man sagt ja immer so schön: Ein Kind sollte nur das tun, was es sich selbst zutraut, dann passiert auch am wenigsten. Wenn sie dann mal 11, 12 ist, ist das ein anderes Thema ….

Hast du einen Tipp: Worauf sollte man schauen, wenn man sich ein E-Bike kaufen möchte?
Vor allem darauf, dass es sich um ein Bike handelt das einen guten Qualitätsstandard hat. Dies findet man am besten bei einem Fachhändler,  der wirklich Knowhow hat und eine gute Beratung bietet. Ansonsten am besten sich erstmal selbst fragen: Was möchte ich damit alles machen, was ist mein Ziel? Und zum Thema Akku „Wie lange möchte ich unterwegs sein?“ – da gibt’s ja auch Unterschiede in der Qualität. Zur Vorabrecherche gibt es viele Online-Plattformen, Blogs oder Facebook-Seiten die beratend unterwegs sind. Und die Hersteller selbst geben ja auch immer mehr Ratschläge raus.

Was war die selbst bei der Wahl deines E-Bikes wichtig?
Natürlich unser Brose-Antrieb;-) Aber Spaß bei Seite – den würde ich auch wählen, wenn ich dort nicht arbeiten würde. Denn ich schätze das natürliche Fahrgefühl sehr, also nicht angetrieben zu werden, sondern in meiner natürlichen Bewegung unterstützt zu werden und selbst aktiv noch was zu tun.

Liebe Ulrike, vielen Dank für das nette Gespräch!

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