Die Marke LIV hat sich als Tochter des großen Fahrradkonzerns Giant ganz der weiblichen Seite des Radsports verschrieben. Schon ein paar Mal haben wir euch hier bei girlsridetoo über die Bikes der Marke berichtet. Nun gibt es endlich ein Bike für alle berab-begeisterten Bikerinnen: das Endurobike Hail! Steffi berichtet Euch von ihren Eindrücken mit dem neuen Rad.

So hatte ich mir das eigentlich nicht vorgestellt. Schon beim Bike Women’s Camp in Kaltern hatte ich Ludi von LIV angesprochen ob ich nicht ein Testbike bekommen könnte um diesen Bericht zu schreiben. Dass ich nun über einige Umwege eine ganze Saison mit dem Rad verbringen werde war absolut nicht geplant und ist mir irgendwie so passiert. Trotzdem werde ich versuchen diesen Bericht so objektiv zu halten wie möglich! Vorteil: ich hatte inzwischen schon ausgiebig Zeit das Rad auf unterschiedlichem Terrain für euch zu testen.

Das Hail gibt es in mehreren Austattungsvariationen. Zwei mit Alurahmen, ab 3199,90€ und zwei „Advanved“ Modelle wo das Rahmendreieck aus Carbon gefertigt ist. Beim Topmodell, welches keine Ausstattungswünsche mehr offen lässt muss Frau dann aber auch fast 7000€ hinlegen. Gestestet wurde hier das waldgrüne Hail Advanced 1, das günstigere der beiden Carbon Modelle welches für 4599,90€ den Besitzer wechselt.

Erster Eindruck – Ausstattung:

Das Hail Advanced 1 kommt in einem dunkeln waldgrün (welches im Sonnenlicht golden glitzert) mit roten Aufdrucken daher. Mir persönlich gefällt die Farbe von allen Hail-Modellen am besten, aber das ist bekanntlich Geschmackssache. Das Fahrwerk ist komplett von FOX. In der FOX 36 Perfomance Elite arbeitet die feinfühlige FIT4 Kartusche die sonst nur in den Factory-Modellen von Fox verbaut sind. Außerdem ist sie als Talas ausgeführt, was bedeutet, dass man den Federweg zum bergauffahren von 160 auf 130mm reduzieren kann. Im Heck ist der mächtige FOX X2 Dämpfer verbaut (einer der aktuell besten Dämpfer auf dem Markt). Der Focus des Rades ist damit schon mal ganz klar auf die Bergab-Performace gesetzt. Beim Antrieb gibt es einen Shimano XT-SLX Komponentenmix: Kurbel und Schaltwerk sind aus der XT Reihe, Kassette, Schalthebel sowie auch die Bremsen aus der günstigeren SLX Serie. Erfreulicherweise ist auch schon eine MRP Kettenführung mit Bashguard verbaut (ein Bashguard verhindert, dass die Zähne des Kettenblatts beschädigt werden falls man beim Überfahren eines Hindernisses aufsetzt). Die Laufräder kommen ebenso wie Lenker und Griffe aus dem Hause GIANT/LIV. Erwähnenswert ist, dass die IngenieurInnen von Liv mitgedacht haben und den Lenker in 800mm Breite ausliefern, so kann jede Fahrerin auf ihre Lieblingsbreite kürzen (den Abschneiden ist einfacher als verbreitern ;-)). Die Reifenwahl hätte ich persönlich ganz genauso gewählt (und bin ich so an meinem alten Rad tatsächlich auch so gefahren): vorne der Schwalbe Magic Mary in der weichen Trailstar Gummimischung, hinten der Hans Dampf in der etwas härteren Pacestar Mischung für besseren Rollwiderstand. Da beim Rad auch gleich Tubeless-Ventile beilagen habe ich das Rad Tubeless aufgebaut, was mit den Giant-Felgen kinderleicht gelingt. Eine Vario-Sattelstütze ist ebenfalls schon verbaut, hier federt ebenfalls ein Giant Eigengewächs, die Contact SL, die aber sehr gut funktioniert. Bei Rahmengröße M komme ich so auf 13,9 kg inklusive meiner etwa 350g schweren Pedale. Das ist für ein abfahrtsorientiertes Rad ein echt guter Wert!

 

Fahreindruck:

So nun aber genug zur Ausstattung. Viel interessanter ist doch wie sich das Rad draußen in der Natur schlägt. Ich fahre das Hail nun seit etwa einem Monat. Ich war damit seitdem im Münchner Flachland unterwegs auf kleinen aber steilen Trails im Bayrischen Wald und eine Woche auf La Palma.

Bergauf:

Erstmal: mein letztes Rad war ein umgelenkter Eingelenker, welcher aufgrund seiner Konstruktion das Phänomen „Wippen“ bergauf nicht kennt. Im Vergleich dazu zeigte das Hail bergauf dezente Bewegung im Hinterbau. Legt man aber den Druckstufenhebel am X2-Dämpfer um kehrt sofort Ruhe ins Fahrwerk ein. Die Sitzposition auf dem Rad ist angenehm, man hat nicht das Gefühl „von hinten“ in die Pedale zu treten. Senkt man die Gabel ab wird die Position sogar noch einen Tick besser, ich mache es trotzdem nur sehr selten, denn eigentlich ist die Absenkung nicht notwendig. Einziges Manko bergauf: Der SLX-Trigger (Schalthebel) kann maximal 3 Gänge auf einmal hochschalten, hierfür ist es aber nötig den Hebel bis ganz hinten durchzudrücken, dafür ist mein Daumen zu kurz, weswegen ich persönlich wohl auf den XT-Trigger umrüsten werde. Wer aber keine Rennen fährt und auf schnelle Schaltvorgänge angewiesen ist wird damit keine Schwierigkeiten haben.

 

Trail:

Als „Trail“ bezeichne ich jetzt einen Weg im Gelände ohne großes Gefälle, kann auch immer wieder von kleinen Gegenanstiegen durchsetzt sein. Hier habe ich den Dämpfer stets offen gefahren. Das Fahrwerk arbeitet dann sehr sensibel und federt aktiv auch bei langsamen Tempo kleine Unebenheiten weg. Bei kurzen Antritten (z.B. Gegenanstiegen) sackt der Hinterbau nicht weg. Die Position auf dem Fahrrad ist sehr zentral, die relativ hohe Front vermittelt gleichzeitig viel Sicherheit.

Bergab:

Der Downhill ist definitiv die Paradedisziplin des Hail. Vom Fahrgefühl habe ich eher das Gefühl auf einem Freeride oder Downhillbike unterwegs zu sein als auf einem Enduro. Tatsächlich fühlte ich mich auch sehr schnell wohl auf dem Rad. Die Geometrie vermittelt viel Sicherheit, man hat das Gefühl „im Rad“ zu stehen.

Der Maestro-Hinterbau (so heißt die Konstruktion) federt souverän alle großen und kleinen Schläge. Selbst auf den ganz groben Lavafeldern auf La Palma habe ich dadurch keine Probleme auch bei hohen Geschwindigkeiten die Kontrolle zu behalten. Der Hinterbau wird weder nervös noch verhärtet er. Auch die Gabel tut was sie soll und arbeitet mit der korrekten Einstellung sensibel und steht dem Hinterbau in seiner Performance in nichts nach. In Steilabfahrten sorgt die relativ hohe Front (verglichen mit meinem letzten Rad) für viel Sicherheit. Nur die Tatsache, dass die Einstecktiefe des Sattels durch den Knick im Sattelrohr limitiert ist, stört mich anfangs. Nach einigen Tagen habe ich mich aber daran gewöhnt.

 

Fazit: endlich bringt LIV ein Frauen-Enduro! Und es ist als hätte man es mir auf den Leib geschneidert, denn es ist genau das Rad was ich gesucht hab: abfahrtsorientiert, mit potentem Fahrwerk aber trotzdem leichtfüßig bergauf.

 

Tuning-Tipps: Für alle diejenigen die die gemessenen 13,9kg abschrecken hier noch ein paar einfache Tipps die das Gewicht noch etwas nach unten drücken:

Wenn ihr nicht ständig im Bikepark unterwegs seid montiert die Kettenführung ab. Diese spart euch etwa 130g. Außerdem könnt ihr den verbauten Truvativ Hussevelt Vorbau gegen einen leichteren tauschen, da sind sicher auch noch etwa 70g möglich. Ebenso bei der Kassette, zwischen der verbauten SLX und einer XT Kassette liegen ebenfalls 50g (Kosten ca. 70€). Wer ein bisschen Geld investieren möchte kann auch über einen leichteren Laufradsatz nachdenken, der verbaute GIANT wiegt etwa 1900g, das geht auch deutlich leichter, kostet aber dann halt; 700€ müsstet ihr dafür mindestens rechnen, dann sollten hier aber auch mindestens 200g Ersparnis drin sein.

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