Diesen Sommer war ich nach 2 Jahren Abstinenz wieder auf Urlaub in Schweden. Mit dem Minimal-Van-im Wohnmobilumbau sind mein Mann und ich 4 Wochen lang von Trelleborg nach Bjursås und zurück getingelt. Auf dem Hinaufweg benutzten wir eine andere Route als auf dem Rückweg, und erkundeten so wieder einige herrliche Gebiete dieses entspannten Landes. Wenn man eine Landschaft wirklich sehen will, kann man einfach hervorragend ein Mountainbike dazu gebrauchen.

Unsere erste Erkundung fand im Nationalpark Store Mosse (Großes Moor) statt. Weil wir unsere Ziele immer sehr spontan wählen, war uns nicht ganz bewusst WAS ein Moor wirklich ist. Und darum beschlossen wir, mit den Bikes auf den mittleren Rundweg zu fahren. Zunächst war das auch ganz arg schön und easy. Kurvig schlängelte sich der Pfad zwischen den Blaubeerbüschen durch, auf den sanften Wellen der Topografie, auf einen Hügel, wieder hinab, nächstes Wäldchen, ein Träumchen eben – dann kam ein Aussichtsturm. Wir stiegen rauf und sahen vor uns das Moor. Ziemlich groß. Verdammt groß!

Hindurch führte ein Weg aus 2 nebeneinander liegenden Holzbohlen. Gesamtbreite ca 35cm, mit einem Spalt in der Mitte zwischen den Brettern. Pfff. Mit den Bikes? Fahren? Links und rechts ECHTES Moor, Sonnentau in nassem Moos flächendeckend, durchsetzt mit nassen Stellen, Wasserlöchern, ganz eigenwillig. Zum Glück schien die Sonne, sonst hätte es sicher ganz eigenartig und bedrohlich gewirkt. Also gut, wir versuchten es mit fahren, aber der Spalt in der Mitte war ab und zu so breit dass der Reifen stecken bleiben hätte können. Und darum schoben wir ziemlich bald. Keiner hatte Lust, ins Nasse zu plumpsen. Urängste vor dem Versinken im Morast meldeten sich im Bewusstsein. Toll wars trotzdem, vielleicht grade wegen der Spannung. So eine Art Landchaft hatten wir noch nie erlebt.

Nach etwa 3 km (auf denen wir uns gelegentlich gefragt hatten ob wir nicht umdrehen sollten weils echt knifflig war mit den Bikes) war vor uns ein Streifen offenes Wasser, und nur dieser schmale Bohlensteg führte darüber, und das ohne Geländer. Uh! Und weil das noch nicht reichte, kam genau in dem Moment, wo ich fast schon über dem Wasser war, ein sehr starker Wind auf, und hätte mich ums Haar reingepustet. Das Fahrrad ist ein ziemlicher Windfänger! Boah was ein Schreck! Ich ging in die Hocke, lehnte das Bike an einen Rauschbeerenstrauch (Vaccinium uliginosum) der noch da wuchs, und wartete, während diverse  Windböen mich schubsten und reinwerfen wollten. Mein Mann hatte noch festeren Boden unter sich, dorthin zog ich mich nun auch in äußerster Vorsicht zurück. Mist, wenn der Wind nicht nachließe müssten wir zurück, war unsere Befürchtung. Dabei hofften wir doch, schon bald festeren Boden unter den Planken zu haben. Es war durchaus gruselig auf der weiten Moorfläche.

Zum Glück ließ der Wind ebenso plötzlich wieder nach wie er begonnen hatte, und wir überquerten das Wasser. Blådöppet hieß der Zu- und Ablaufgraben dieses Moores. Nach einer Weile wurde das Umland trockener, wir stiegen wieder auf die Bikes und balancierten auf den Brettern noch eine ganze Strecke durch die faszinierende Fauna, bis wir schlussendlich wieder gut bei unserem Ausgangspunkt ankamen.

Und auch wenn wir quasi null Höhenmeter auf dieser Tour hatten, ein Urlaubs-Abenteuer war sie allemal.

 

 

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